Gefühle im Studium – eine Eintrittkarte: Wohin? (Teil5) (2.5.2014)

Jetzt kann eine neue Kategorie in´s Spiel kommen, ich will sie mal den „Führer“ nennen, also eine/n, der/die „weiß“, wie das geht, jemand, der darin ausgebildet oder erfahren ist, wie man solche Gruppen lebendig halten kann, auch wenn „schwierige“ Gefühle auftauchen.
Es ist natürlich möglich, sich so jemanden von außen in die Gruppe zu holen, oder jemanden in der Gruppe als einen solch „Kundigen“ zu definieren oder zu identifizieren.

Diese beiden Möglichkeiten interessieren mich hier aus verschiedenen Gründen weniger.

Ich möchte mich hier jetzt mehr darauf konzentrieren, wie denn diese „ganz bestimmten“ Umgangsformen zur Pflege von Lebendigkeit und dem Erhalt von Kreativität in der Gruppe aussehen können oder könnten.

Ich gehe also davon aus, es gäbe tatsächlich niemanden in der Gruppe, der „weiß“, wie das geht, und die Gruppe wäre auch nicht bereit, oder in der Lage, von außen jemanden in die Gruppe zu holen, von dem sie mindestens glaubt, er „wisse“, wie das zu bewerkstelligen sei.

In einem solchen, ich nenne ihn den „dritten Fall“, „säße“ die Gruppe jetzt also da in ihrem ´Schlamassel´, ohne Hilfe von außen. Sie säße da, mit dem, was ist, mit nichts weiter zur Verfügung, als dem, was ist. Das erscheint wenig hilfreich, denn wenn sog. „negative Gefühle“ zu unüberwindbar scheinenden Differenzen in der Gruppe geführt haben, scheint ein Ausweg in der bestehenden Gruppe oft unmöglich.

Dennoch gibt es ihn aus meiner Erfahrung, und ich möchte davon berichten.

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

– wird fortgesetzt –

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Gefühle im Studium – eine Eintrittkarte: Wohin? (Teil4) (2.5.2014)

Ich habe das Gefühl, jetzt einen besonderen Raum zu betreten.

Denn dass Gefühle Beziehungen, Gemeinschaften, Gruppen, Projekte und Kollegien „stören“ und zerstören können, ist bekannt.
Was aber braucht es, damit Gefühle in selbstbestimmten Beziehungen, Gemeinschaften, Gruppen, Projekten und Kollegien vielleicht zeitweise als „störend“ empfunden werden können, diese aber nicht zerstören ?
Ich schreibe hier von selbstbestimmten Gruppen und Beziehungen, die nicht oder weniger durch äußere Verpflichtungen zusammengehalten werden, sondern mehr durch innere. Was heißt das denn genau ?

Ja, wie sehe ich denn die Unterscheidung zwischen „äußerer“ und „innerer“ Verpflichtung ?
Als eine Gruppe oder Beziehung, die durch äußere Verpflichtung zusammengehalten wird, sehe ich eine, die um eines bestimmten Zweckes willen besteht: Kinder großziehen, möglichst viel Gewinn machen, ein Projekt verwirklichen, eine bestimmte Art von „Gewinn“ aus dem Zusammensein ziehen. Natürlich ziehen wir wohl immer irgendeine Art von Gewinn aus dem Zusammensein mit anderen, sonst suchten wir es nicht. Das scheint klar. Doch worin besteht der „Gewinn“ ? Besteht er in der Funktion, die ein anderer für mich hat, oder besteht der Gewinn, den ich aus dem Zusammensein mit ihm beziehe einfach darin, dass er so ist, wie er ist ?

Hier möchte ich eine „steile“ These wagen:
Wenn es auf Dauer ausschließlich um die Funktion geht, die ein anderer Mensch für mich hat, im Kontakt mit ihm, dann wird dieser Kontakt das auf Dauer wiederspiegeln. Ich halte es für möglich, dass ein entweder ausschließlich oder überwiegend funktional begründeter Kontakt destruktive Gefühle schlecht oder gar nicht überstehen wird.

Wenn eine Gruppe, die nicht durch äußeren Druck zusammengehalten wird, zusammenbleiben soll oder will, auch wenn „schwierige Gefühle“ auftauchen, braucht es bestimmte Umgangsformen mit diesen „schwierigen“ Gefühlen. Wenn eine solche Gruppe nicht nur zusammenbleiben, sondern auch noch lebendig bleiben soll, und ein Ort, an dem sich alle Mitglieder wohlfühlen, dann braucht es meiner Erfahrung nach noch bestimmtere Umgangsformen mit „schwierigen Gefühlen“.

Denn es gibt Gruppen oder Beziehungen, die zwar weiterbestehen, auch mit „schwierigen“ Gefühlen, aber irgendwie erstarrt wirken, unlebendig, formal, ja freudlos und irgendwie gezwungen. Ich fühle mich dann darin oft irgendwie „unfrei“, befangen, unwohl. Echte Kreativität ist in solchen Gruppen oder Beziehungen nicht mehr möglich und das ist natürlich besonders dann fatal, wenn sich die Gruppe oder Beziehung gebildet hat, um gemeinsam kreativ zu sein, und gemeinsam etwas zu „schaffen“ oder zu erschaffen.

Wie also kann die Gruppe oder Beziehung lebendig bleiben ?
Wie gelingt es, Lebendigkeit in festen Strukturen zu erhalten, Offenheit, und Kreativität ?

 

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

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Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil3) (23.4.2014)

Studium,

„Trauer“,
„Angst“,
„Scham“,
„Wut“

und Beobachtung

Warum ist es für mich sinnvoll, „Trauer“, „Angst“, „Scham“, „Wut“, in mein Studium mit einzubeziehen ?

Ich beziehe in mein Studium nur das ein, von dem ich glaube, dass es nicht nur für mich , sondern auch für die Gesellschaft (ich sage lieber: Gemeinschaft) wichtig ist.

Denn sonst bliebe mein Studium allein eine Selbsterfahrungsreise: wertvoll sicherlich, aber eben kein Studium !‘
Denn „Studium“ beinhaltet für mich immer Gemeinschaftsbezug: Halte ich das, was ich studiere auch für andere für wichtig ?

Wenn ich im UniExperiment etwas anders machen möchte, als im konventionellen Studium, dann sicher auch, dass ich meine Gefühle in des bweusst mit einbeziehe.
Denn ich möchte als ganzer Mensch studieren, nicht bloß  als Leistungsmaschine.

Das wirft sofort Fragen auf:
Was haben Gefühle in einem Studium zu suchen ?
Sind die bei der Erkenntnisfindung nicht eher hinderlich ?
Trüben sie nicht eher den ´klaren Blick´ ?

Heißt „studium“ denn eigentlich: Wissenschaft betreiben ?
„studere“ heißt, wörtlich übersetzt: sich um etwas bemühen, nach etwas streben.
Nun gut, ja: ein Ziel des Studiums gibt es wohl, oder wenigstens eine Richtung.
Und – für mich gibt es noch mehr darin:

„Studium“ heißt für mich nicht nur  „streben“ – wonach und wohin auch immer.
Es heißt für mich auch: beobachten !

Warum ?
Nun, wenn ich einen vorgezeichneten Weg zu gehen habe, einen Weg, der durch Studienordnungen und Prüfungswegweiser markiert wird, auch dann beobachte ich:  meinen Lernfortschritt.
Die Wegrichtung, die Position des Weges im Gelände muss ich dabei nicht unbedingt beobachten, wenn ich in Prüfungen erfolgreich sein will.

Ganz anders im selbstbestimmten Studium, z. B. im Freien UniExperiment:

Hier muss ich den Weg durchs unbekannte Gelände selber wählen.
Hier muss ich permanent kontrollieren, ob ich noch auf dem Weg bin: Wo befinde ich mich ?
Wo will ich hin ?
Dient der eingeschlagene Weg noch der gewünschten Richtung ?

Und:  Siehe, da kommen auch Gefühle in´s Spiel.
Plötzlich wird für mich zunehmend wichtig, wie ich mich denn fühle, auf meinem Wege.
Warum ? Weil Orientierungshilfen von außen fehlen, sehe ich mich mehr auf die inneren angewiesen.
Und Innen, da sind auch: Gefühle !

Doch wie kann ich meine Gefühle zur Orientierung nutzen, wenn sie sich doch auch immer wieder verändern und vor allem: wenn sie sich immer wieder auch so beschissen anfühlen ?

Wie kann ich negative Gefühle zur Orientierung nutzen, die plötzlich zu bedrohen scheinen, was mich ursprünglich in´s selbstbetimmte Studium geführt hat:
Gemeinschaft,
Eigenverantwortung,
Authentizität,
Selbständigkeit,
Dialog,
Energie,
Dynamik,
Forschergeist,
Kreativität,
Neugier,
Lebendigkeit ?
Wie kann ich nutzen lernen, was all das bedroht, was mir im selbstbestimmten Studium wichtig war und ist ?
Wie kann ich für meinen Weg nutzen lernen, was mir auf ihm als schwer oder gar überhaupt nicht überwindbares Hindernis im Weg zu stehen scheint: negative Gefühle ?

Führt Verdrängen weiter, auf Dauer ?
Oder: ignorieren ?
Oder: mich von meinen negativen Gefühlen leiten lassen, in´s Scheitern ?

Gefühle sind natürlich überall wichtig, auch im konventionellen Studium.
.
Im komplett selbstbestimmten Studium, wie im UniExperiment, spielen sie für mich jedoch eine größere Rolle, denn sie erhalten mehr Raum.
Im konventionellen Studium kann ich mich eines Gefühlsansturmes auch durch die von außen von mir geforderte Routine und Etappenbewältigung erwehren.
Ja, das Vorgezeichnete des Weges gibt mir geradezu die Sicherheit, den eigenen Gefühlen etwas von außen und durch andere Bestimmtes entgegensetzen zu können.
Im selbstbestimmen Studium gibt es diese Sicherheit nicht.
Hier kann ich keine Studienordnung, da kann ich keinen Prüfungstermin setzen gegen die Angst, gegen die Traueer, gegen die Wut. Ich sehe mich meinen Gefühlen und Wahrnehmungen unmittelbarer ausgesetzt, als im Hafen eines konventionellen akademischen Betriebes.
Denn ich befinde mich auf der hohen See der Seslbstbestimmung, ungeschützt ausgesetzt auch den Unwägbarkeiten meiner emotionalen Gezeiten. Da mag es eben hilfreich sein, wenn genau der Umgang mit diesen Gezeiten zum Studium gehört und nicht als lästiger Ballast verstanden wird.
Orientierung bekomme ich im selbstbestimmten Studium  nicht durch äußere Vorgaben, wie Studien- und Prüfungsordnungen.
Für meine Orientierung muss ich im selbstbestimmten Studium daher stärker innere Quellen nutzen.
Selbstbestimmt zu studieren, heißt ja:
ich entscheide selbst, was und wie ich studiere, und wo, bei und mit wem.
Wenn im Außen keine Orientierung existiert, muss ich  alles Innere zur Orientierung nutzen.

Ohne  Orientierung im Außen, wie sie im konventionellen Studium durch Studienvorschriften geboten wird, gewinnt für mich nicht nur der Kontakt zu meinem Inneren, samt seinen Gefühlen, sondern auch der Kontakt zu meinen Mitstudenten eine größere Bedeutung. Denn zu meinem Innenleben gehören für mich nicht nur meine Gefühle im Bezug auf mich und im Umgang mit mir selbst, sondern auch meine innere, meine von innen gefühlte Beziehung zu meinen Mitstudenten, und meine Gefühle für, oder gegen (!) sie. Dieser innere Kontakt zu mir selbst und meinen Gefühlen kann mir als Stütze dienen, wo der Kontakt zu äußeren, fremdbestimmten Vorgaben als Unterstützung nicht existiert. Doch um als Unterstützung und Inspiration dienen zu können, „muss“ auch der Kontakt zu meinen Mitstudenten konstruktiv bleiben, genau wie der Kontakt zu meinem eigenen Inneren.

Doch wie halte ich diesen inneren Kontakt zu meinen Gefühlen und die Kontakte zu meinen Mitstudenten konstruktiv, wenn ich in Regionen negativer Gefühlsgewitter gerate, mal ganz abgesehen von der Qualität des zwischenmenschlichen Miteinanders, die durch sog. „negative“ Gefühle bedroht sein kann ?

Warte ich, bis die Destruktivität wieder vorüber ist ?
Habe ich diese Zeit im Studium überhaupt ?
Und selbst wenn ja: verschwindet Destruktivität „von alleine“ wieder, dauerhaft ?

Es gibt hier Orientierung, genau wie im konventionellen Studium Prüfungs- und Studiumsordnungen Orientierung versprechen.
Es gibt Erfahrungen im Umgang mit destruktiven Gefühlen, Erfahrungen jenseits vom Ignorieren oder bloßen Ausagieren solcher Gefühle.
Es gibt Erfahrungen damit, wie Situationen zu meistern sind in denen Destruktivität z. B. eine ursprünglich enthusiastisch kreative Lern- oder Studiengruppe selbstbestimmt Studierender lähmt, oder zu lähmen scheint.

 

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

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Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil2) (23.4.2014)

Gefüle spielen für mich im UniExperiment-Studium eine große Rolle.

Ich möchte sie nicht wegdrängen, nur weil sie zugegebenermaßen „irrational“ sind, sondern einbeziehen, in mein Studium.

Was haben Gefühle in einem Studium zu suchen ?
Bestenfalls als Studienobjekt sind sie im akademischen Betrieb „geduldet“, oder als teils unübersehbares Phänomen in den Kunstwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften, in der Pädagogik, und in der Kommunikationswissenschaft. Doch werden sie wirklich um ihrer selbst willen wertgeschätzt ? Was haben Gefühle in einem Studium zu suchen ?

Was hat  „Trauer“ mit einem Studium zu tun, nicht als Studiengegenstand, sondern als authentische Energieerfahrung ? Erlebe ich „Trauer“ zum Beispiel eben gerade nicht als Energieerfahrung, sondern als „lähmend“ ? Und: muss das so sein, wenn es so ist ? Oder steckt in „Trauer“ vielleicht eine Kraft ? Verbirgt sich hinter Angst vielleicht ein Potential, unter „Scham“ eine wertvolle Energie, in „Wut“ ein Schatz ?

Was haben Gefühle in meinem Studium zu suchen ?
„Freude“ ? Aber ja ! Bittesehr ! Immer !
Aber die sogenannten „schwierigen“ Gefühle:

Trauer
Angst
Scham
Wut

Das, bitteschön, sind doch Privatangelegenheiten, und selbst als solche doch auch tunlichst zu vermeiden und zu umgehen, nicht ?!

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

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Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil1) (23.4.2014)

Wohin führen Gefühle: in´s Nirwana der Irrationalität, in destruktive Abgründe oder  höchste Höhen ?
Was sind Gefühle: Kraftwerke oder schnell zu vernichtende Einmal-Handschuhe für den täglichen Gebrauch, Gemeinschaft stiftend oder zerstörend ?

Haben Gefühle etwas mit dem Potentialfreisetzungskraftwerk im UniExperiment zu tun, oder sind sie schleichendes, zersetzendes Gift ?

Gefühle, Gefühlskräfte: Grund zur Verzweiflung – oder Chance ?

Sind sie eine Eintrittskarte in´s Leben, das Tor zur Lebendigkeit – oder ein Ausgang in´s  Ungewisse, Unplanbare, Unakademische, Irrationale, Nicht-Handhabbare, Illusionäre ?

Sind Gefühle überhaupt real ?
Gibt es die ?
Und wenn ja: sind die greifbar ?

Kann etwas, das nicht anzufassen ist, im Studium überhaupt eine Rolle spielen ?
Können Gefühle in einer Geisteswissenschaft eine Rolle spielen ?
Spielen Gefühle in der Wissenschaft eine Rolle und wenn ja: welche ?

Welche Rolle spielen Gefühle für mich im UniExperiment, und wie gehe ich mit ihnen um ?

Schön brav akademisch müsste am Anfang eines solchen Textes erstmal stehen, mit welcher Definition des Ausdrucks „Gefühl“ er überhaupt arbeitet. Diese Definition hebe ich mir für später auf und vertraue optimistisch oder eher realistisch darauf, dass „wir“ schon wissen (oder zumindest ahnen ?), was Gefühle sind.

Kommen die mir in die Quere, im Studium ?
Sind sie Studiengegenstand, gar Energiequelle, oder Energiefresserchen ?
Mal so, mal so, erfahre ich, und doch auch: enorm zerstörerisch können sie sein.

Sie können meiner Erfahrung nach ganze Gemeinschaften sprengen, auch die, die unter den höchsten und hehrsten Idealen sich versammelt haben. Oder sie, die ich als Tor zur Lebendigkeit bezeichnet habe, können dazu führen, dass alle Lebendigkeit, jede Kreativität und erst recht echte Lebensfreude und Authentizität vollkommen verschwinden, aus einer Gruppe, die sich dann fragen mag:

Was ist denn jetzt passiert ?
Wie konnten wir dahin kommen, wo wir doch so voller Idealismus, Begeisterung, Offenheit, Lebendigkeit, Freude, Zuspruch und Unterstützung von außen und mit so viel Schwung gestartet waren ?
Wie kann es sein, dass wir uns plötzlich misstrauen, wo wir doch unser gegeseitiges Vertrauen am Anfang unserer Unternehmung so genossen haben ?
Wo ist die flirrende Energie hin, die doch am Anfang in jeder Sekunde unseres Zusammenseins spürbar war ?
Wohin ist die Kraft verschwunden, die jeder von uns so deutlich in unserer Gemeinschaft gespürt hat ?
Wohin ist die echte Kreativität gewandert, die ursprünglich in unserer Mitte ihre Freudentänze vollführt hat ?
Wohin ist unsere Begeisterung verduftet, die uns immer wieder erwartungsvoll zusammenführte ?
Wohin ist die Freude gegangen, die wir so ausgiebig miteinander geteilt hatten ?
Wohin hat sich der Genuss verzupft, den unsere Versammlungen für uns bedeuteten ?

Ist die Sonne untergegangen, und der Mond noch nicht aufgegangen ?
Sind wir in schwarzer Neumondnacht, ohne Orientierung ? Sehen wir den anderen nicht mehr, vor lauter Schwärze, und uns selbst nicht mehr, vor lauter Dunkelheit ?
Und: Wo sind wir gelandet ? An welchem Ort sind wir ?
Wie können wir das herausfinden, wenn das Licht des Mondes noch nicht scheint ?

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

links zu: Teil5, Teil4, Teil 3, Teil2

 

 

 

 

Studien- und VersuchsReihe: TantraMassage

Tantra im UniExperiment

Studien- und Versuchsreihe Tantramassage
von Tomas Langhorst

Fragestellungen:

I. Welche Wirkungen hat Tantramassage auf Lebensgefühl, Wahrnehmungen und Engergieniveau des/der MassageEmpfängers/in und des/der Massierenden ?
.
II.Verändert sich die Wirkung der Tantramassage(n) für Empfänger/in und Massierende/n, und deren Wahrnehmung bei wiederholten Massagen über einen längeren Zeitraum ?

8.3.2014: GanzkörperMassage (18:00-19:30)
9.3.2014: LingamMassage (14:00-15:30)

Was ist TantraMassage ?

TantraMassage ist eine Massageform, bei der der Verlauf der Körperenergiezonen und -bahnen im Körper besonders berücksichtigt wird, und die in ein Ritual der Wertschätzung und Achtsamkeit eingebunden ist.
Sie kann als Paarmassage gestaltet werden, mit Masseur/in und Empfänger/in, und in beliebigen weiteren Kombinationen von einem/r oder mehreren Massierenden und Empfängern/innen.
Sie kann Körperenergien und inneres Erleben in Fluss und Balance bringen, die Intensität des Lebensgefühls und Energieniveaus steigern und körperliches und seelisches Wohlbefinden fördern.
Da in der Tantramassage sowohl Empfänger/in als auch Masseur/in größtenteils oder vollständig unbekleidet sind, erfordert diese Massageform vom Masseur/der Masseurin ein hohes Maß an persönlicher Integrität und Präsenz und Feingefühl. Daher ziehen einige es vor, diese Form der Massage ausschließlich mit ihnen eng vertrauten Menschen zu genießen.
Das Erleben von Schattenthemen des/der Empfangenden kann die Tiefenwirkung der Massage für den/die Massierte/n vergrößern. Deshalb ist ein Vor- und ein Nachgespräch selbstverständlich Teil der Tantramassage, wenn der/die Empfänger/in dies wünscht.

Praktizierte Tantramassage-Versionen (werden später im Überblick erläutert):
Ganzkörpermassage Version publiziert von Becker/Langhorst, 2013
LingamMassage Version publiziert von Becker/Riedl, 2008

Untersuchungszeitraum:
8.3.2014 – 8.9.2014

Untersuchte Massagesituation:
Paarmassage

Teilnehmende Personen:
2

Praktizierte Rollenverteilung:
wechselnd: Empfänger/in und Gebende/r tauschen ihre Rollen

Qualifikation der Teilnehmenden:
Eine Person (A) hat mehrere Ausbildungseinheiten für Tantramassage absolviert, langjährige Erfahrung mit Tantramassage und ist ausgebildete/r Tantramassage-Lehrer/in.
Die zweite Person (B) hat mehrere Ausbildungseinheiten für Yoga absolviert,  langjährige Yoga-Praxis, am 1.2.2014 eine Tantramassage-Ausbildung begonnen, seit 10 Monaten Erfahrungen mit Tantramassage,  und ist ausgebildete/r Yoga-Lehrer/in.
Damit verfügt eine Person über langjährige Erfahrung mit Tantramassage, die andere über knapp einjährige Erfahrung mit Tantramassage.
Beide Teilnehmende haben langjährige Erfahrung und Übung  in differenzierter Körper- und Selbstwahrnehmung.

Zeitpunkt der Äußerungen:
Teils direkt nach der Massage und zum Teil einige Stunden nach der Massage.

GanzkörperMassage
am 8.3.2014, 18:00 – 19:30

Warhnehmungen und Wirkungen:

1. Identische Wirkung auf Empfänger/in und Massierende/n

Beide fühlen sich nach der Massage „präsenter“, mehr „im Körper“.

2. Unterschiedliche Wahrnehmungen und unterschiedliche Wirkung auf Empfänger/in und Massierende/n

Masseur/in (Person A):

„Nach einer längeren Pause in meiner Massagepraxis merke ich, dass ich mich in den Ablauf der Massage erst wieder hineinfinden muss. Da ich noch sehr auf die Griffabfolge achte, gelingt es mir momentan noch nicht so leicht, mich in die Massage und den jeweiligen Moment ´fallenzulassen´.

Ich fühle mich jetzt nach der Massage ´runder´und ´ausgeglichener´. Ich fühle mich auf angenehme, weiche Art lebendiger, jetzt. Ich fühle mich nicht mehr nur ´im Kopf´ und meine Emotionen und Gefühle (Definitionen von ´Emotion´ und ´Gefühl´ nach Vivian Dittmar in „Gebrauchsanweisung für Gefühle“), sondern nehme mich noch umfassender wahr, als be-seelten Menschen, irgendwie viel ´ganzer´, als vor der Massage.
Ich habe den Eindruck, mehr von mir zu spüren, mehr meiner Persönlichkeitsanteile, mehr von meinen Möglichkeiten und Kräften. Ich spüre mich ´ganzer´ im Sein. “

Empfänger/in (Person B):

„Während der Massage sind Erinnerungen an meine Lebenssituation vor drei Jahren in mir hochgekommen, aber keine besonderen Gefühle dazu. Ich hatte den Eindruck, während der Massage immer wieder im Kopf zu sein, und mich nicht durchgehend fallenlassen zu können.
.
Meine negativen Emotionen, mein negatives Lebensgefühl, das ich eine Stunde vor der Massage in mir wahrzunehmen begann, also meine Negativität, die ich gut kenne, mein „Nicht-leben-wollen“ sind nach der Massage verschwunden. Ich fühle mich viel besser. Nach der Massage fühle ich mich jetzt wohl mit mir selbst und viel deutlicher in meinem Körper. Ich habe schon in den vergangenen Tagen wieder Erfahrungen damit gemacht, mich meinen negativen Emotionen, wie Sinnlosigkeitsempfinden, Unwillen, und Minderwertigkeitsgefühlen nicht mehr so stark hinzugeben, sondern aktiv zu werden, etwas zu tun, das mir guttut.“

3. Zusammenfassung:
folgt

LingamMassage
am 9.3.2014, 14:00 – 15:30

Warhnehmungen und Wirkungen:

1. Unterschiedliche Wahrnehmungen und unterschiedliche Wirkung auf Empfänger/in und Massierende/n

Empfänger/in (Person A):

„Die Massage war sehr sinnlich für mich. Es war ein wunderbares Gefühl, so lange und ausdauernd so berührt zu werden !
Nach derMassage kamen in mir tiefe Gefühle des Verlassenseins auf, undes war gut, dass ich mir nach dem Ende der Massage Zeit für mich genommen habe , um nachzuspüren und für mich „da“ zu sein.
Ich fühlte mich nach der Massage insgesamt innerlich „aufgeweicht“, „nah am Wasser gebaut“, emotional sehr berührbar, verletzlich und offen, eine wunderbare Erfahrung !“

Masseur/in (Person B):

„Ich bin während dem Massieren einigen Widerständen begegnet und bin froh, dass ich die Massage dennoch wie geplant ausgeführt und abgeschlossen habe. Denn auf einige Griffe hatte ich überhaupt keine Lust ! Andere hingegen haben mir sehr gut gefallen. Jetzt, nach der Massage merke ich, wie gut mir momentan das Geben tut ! Und es war gut für mich, meine Widerstände während der Massage zu fühlen und anzunehmen und dennoch mit der Massage weiterzumachen.

Abends vor dem Einschlafen fühlte ich mich so kraftvoll in meinem Körper und energiegeladen, als könnte ich Bäume ausreißen !
Nachts habe ich sehr unruhig geschlafen und fühlte mich angespannt. Ich hatte Träume voll von ´dunkler´ Energie, dei mit Angst und Ängsten zu tun hatten. Ich hatte deutlich den Eindruck, dass diese ´dunklen´ Themen Tehmen des Massageempfängers waren, nicht die meinen, und ich frage mich, ob ich damit richtigliege. Mit dieser Frage will ich weiter umgehen, und dieses Thema bei meinen nächsten Massagen weiter gut beobachten.“

2. Zusaammenfassung
-folgt-

– wird fortgesetzt –

UniversIdee & UniExperiment

von Tomas

So verstehe ich momentan UniversIdee und UniExperiment und ihr Verhältnis zueinander:
,

UniversIdee
ist einfach die Formulierung der Idee,
dass jeder Mensch jederzeit Lernender ist.

In der aktuellen Hirnforschung ist diese Vorstellung nicht mehr nur Idee,
sondern Erkenntnis:
Unser Hirn lernt – permanent !
Es kann gar nicht anders !
.
Als Idee ist das jetzt nicht so neu.
.
Vielleicht schon neuer ist, sich des eigenen permanenten Lernprozesses auch permanent bewusst zu sein.
.
I.
UniversIdee: Wertschätzung !
.
Für manche neu ist es vielleicht, sich des eigenen permanenten Lernprozesses in vielen Lebensbereichen nicht nur bewusst zu sein, sondern das permanente eigene Lernen auch wertzuschätzen. ..
UniversIdee drückt diese Wertschätzung aus: Hey, Du bist ein jederzeit Lernender ! Das ist schön !
.
. Gibt es echte Wertschätzung ohne Interesse ?
.
. II.
UniversIdee: Neugier !
.
UniversIdee drückt diese Wertschätzung nicht nur aus, sondern fragt:
Was lernst Du denn ? Was lerne ich denn ?
.
UniversIdee drückt Wertschätzung aus, und Interesse am eigenen permanenten Lernen und dem Lernen anderer.
.
III.
UniversIdee: Gemeinschaft !
.
Damit ist UniversIdee bereits politisch.
.
UniversIdee meint: Hey, dass Du jederzeit Lernender bist, ist nicht nur vielleicht wichtig für Dich.
Es ist   wichtig für mich !
Denn ich will nicht nur allein, sondern auch von Dir lernen !
.
Damit drückt UniversIdee nicht nur die Wertschätzung des eigenen permanenten Lernens aus, sondern auch des permanenten Lernens des anderen.
Politik formuliert Werte in einer Gemeinschaft.
UniversIdee formuliert den Wert permanenten Lernens aller Menschen für die Gemeinschaft aller Menschen.
So kann das permanente Lernen zu einer neuen Basis von Gemeinschaft werden.
.
UniversIdee sagt: Hey, es ist für mich wichtig, dass und was Du lernst !
.
IV.
UniversIdee: Qualifikation !
.
Viertens will UniversIdee die Wertschätzung permanenten Lernens nicht nur zwischen einzelnen sichtbar machen.
.
Sie will die Wertschätzung permanenten Lernens  für alle sichtbar machen.
Deshalb beinhaltet UniversIdee auch die Idee von UniversIdee-Abschlüssen.
In ihnen bescheinigen sich UniversIdenten das Beherrschen erlernter Fähigkeiten und Wissensgebiete gegenseitig.
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V.
UniversIdee: Demokratie !
.
Damit wird fünftens die Wertschätzung von Wissen und Können demokratisiert:
nicht mehr nur staatliche Institutionen oder private Unternehmen können dann Wissens- und Fähigkeitenerwerb dokumentieren und bestätigen, sondern ich und Du !
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Unser Interesse am anderen und seinem Lernen führt damit dann zu Lernrpozess-Bilanzen.
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VI.
UniversIdee: Menschenrecht !
.
Natürlich bergen so viel Freiheit und Gleichberechtigung Gefahren und brauchen Verantwortung.
Deshalb bekennt sich sechstens UniversIdee zu den allgemeinen Menschenrechten.
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Eins bis sechs gelten auch für UniExperiment.
Aber UniExperiment ist noch mehr als UniversIdee.
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VII.
UniExperiment: Von der Idee zur Praxis !
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UniExperiment ist eine der Möglichkeiten der praktischen Umsetzung der UniversIdee:
UniExperiment ist eine Verwirklichung der UniversIdee.
UniExperiment geht bewusst mit den Standards wissenschaftlichen Arbeitens um.
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Eine Idee ist nicht ortsgebunden, ein Experiment schon.
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Deshalb beschreibt das UniExperiment eine der Möglichkeiten, die UniversIdee konkret umzusetzen, und wo das passiert.
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Das UniExperiment findet überall dort statt, wo mindestens ein Mensch sich nicht nur zum permanenten Lernen bekennt, sondern es auch für andere in einem permanenten Prozess sichtbar macht.