Was passiert eigentlich, wenn ich eine Erkenntnis habe ? – Bericht vom Phänomenologie-Seminar

Was passiert eigentlich, wenn ich eine Erkenntnis habe? – Phänomenologie-Seminar

Vom 1. bis 6. Januar waren Alia, Lukas ,Moritz ,Martin, Camilla und ich, Diemut,  eine Woche in der Kooperative Dürnau zu einem Phänomenologie – Seminar.  Erstmal haben wir uns den Ursprung und die Grundlage  dieses wissenschaftlichen Erkenntniswegs angeschaut und sind auf Goethe ,Hegel und Fichte zu sprechen gekommen. Es war allein schon spannend, den scheinbaren Widerspruch zwischen Goethe und Hegel – stellt man nun eine Theorie auf oder nicht und beobachtet ?- zu überwinden, wie sie jeweils Bedingungen für ein phänomenologisches Vorgehen auf dem Erkenntnisweg vorschreiben.

Doch heiß her ging es dann so richtig, wie wir zu den Weltgesetzen und Denkgesetzen vorstießen: Gibt es diese? Das hatten wir bald mit Ja beantwortet, doch: Wie stimmen diese miteinander überein? Wie weit greift das Denkgesetz-Die Logik- und wann nicht mehr? Aber vor allem: Wie funktioniert eigentlich Erkenntnis? Was passiert da in uns?.

Weiter ging es mit dem Versuch, die Trennung zwischen Subjekt und Objekt aufzulösen, dabei aber scharf aufzupassen, dass wir dadurch Subjekt und Objekt nicht als Ein und Dasselbe erklären. Dann erst kann ich phänomenologisch untersuchen und nach Goethe „In den Dingen denken“.  Das war nicht gerade gemütliches schwätzen! (:

Aber auch die Frage nach der Vorstellung und dem Bewusstsein wollte angeschaut werden: Woher kommen eigentlich die Begriffe zu  unserer Vorstellung?  Was  sind Begriffe – Das Wesen des Phänomens!?  Ja die Phantasie… die ist ganz wichtig auszubilden für jegliche Vorstellungskraft, die über Erinnerungen hinausgehen soll. Wir machten einen Versuch zum Vorstellungsvermögen und stellten fest, dass z.B. ein dreidimensionales Konstruieren eines Bildes, in dem ich mich dann selbst noch (NICHT aus der Vogelperspektive) bewegen sollte, nicht möglich war. Das bedeutet aber ,dass wir gar keine direkte, präzise Abbildung der äußeren Sinnenwelt haben, sondern in uns konstruieren. Sonst müsste unser Bild ja auch ständig wackeln, wenn wir blinzeln. Ein weiteres Beispiel ließ uns zu denken geben:  2 Weltraumfahrer beobachteten aus dem All, wie große Container auf der Erde in einer Stadt verschoben wurden. Als sie das ihrer Station und den Wissenschaftlern durchgaben, errechneten diese, dass dies unter gar keinen Umständen möglich sei von dem errechneten Sehvermögens der Augen her, da die Strecke zu weit war. – Die Astronauten sahen die Container trotzdem und beschrieben, wie sie gerade verstellt wurden. –   Das bedeutet doch, dass unser wirkliches Sehvermögen gar nicht mit dem errechenbaren biologischen Aufbau unserer Augen zusammenhängt und dem ersten Beispiel zufolge auch gar nicht darauf ausgerichtet ist, nur genau wiederzugeben, was wir wahrnehmen. Das fanden wir sehr spannend und vorallem die daraus resultierende Frage: Woher haben wir dann das ruhige, präzise Bild unserer Außenwelt ?.

Angefangen mit dem Bewusstsein, wurde auch der Wille anfänglich untersucht:  In Zusammenhang mit der Handlung geht die Allgemeinheit oft davon aus, dass die Handlung vom Willen abhängt. Doch nun, ohne zu bestreiten, dass es vielleicht einen freien Willen gibt, macht Rolf, unser Seminarleiter, uns darauf aufmerksam, dass viele Handlungen auch gegen meine Willen oder völlig unabhängig von MEINEM Willen geschehen. So z.B. kann ich noch  so sehr nach Köln wollen, wenn Andere den Bus, die Bahn, das Auto nicht bereitstellen und mich zu Fuß unterwegs Wölfe fressen. Es deutet viel mehr darauf hin, dass der Einzelne von dem Willen ANDERER  abhängig und auf diese  angewiesen ist. Phänomenologisch ist jetzt nicht die Frage interessant, wo, wie und ob es jetzt tatsächlich einen Freien Willen gibt, sondern die Beobachtung, dass der Wille auf jeden Fall von vielen Determinanten, die auch nicht nur bei dem Einzelnen selbst liegen, belegt ist und daher viel wichtiger ist, wie  ich diese Determinanten verringere und  trotzdem zu meinem Ziel komme. Also nicht nach Norwegen gehen ,wenn ich heißen Sommerurlaub will, sondern vielleicht eher nach Spanien. (:

Was ich auf jeden Fall mitnehme aus dem Seminar, ist die genaue Unterscheidung der Phänomenologen: Sie gehen nicht schon mit einer bestimmten Frage, und schon gar nicht mit einer Theorie in die Untersuchung, da dann  schon ein determiniertes Ergebnis herauskommen muss, sondern sie gehen ganz von dem zu untersuchenden Phänomen aus. Es ist die Enthaltung zu denken, während sie beobachten und umgekehrt sich nicht ablenken zu lassen, wenn sie denken. Neu für mich war, die „Weil-und Warum“-Frage nicht mehr zu untersuchen, da ich einsehen musste, dass diese immer eine Glaubensfrage ist (ob nun die Wissenschaft nach vielen Erklärungen mit dem „Zufall“ als Begründung kommt, wo sie nicht mehr weiter weiß, oder ob Rolfs  Oma gleich behauptet „das Christkindl backt“ bei der Frage wie Wind entsteht, ist im Grunde dasselbe Phänomen, das wir nicht mehr begreifen, nur anders beschrieben.).

von Diemut

Was uns eint – von Emil

Was uns eint:

1. Wir wollen anhand von realen Aufgaben, Problemen und Herausforderungen lernen, um in der heutigen Welt zu wirken.

2. Wir wollen selbstbestimmt lernen.  Wir wollen selbst festlegen welche Inhalte und auf welche Art und Weiße wir diese Inhalte lernen.

3. Wir wollen in Gemeinschaft leben und lernen.

Unser Studium ist also eine kollektiv-individual-Projekt-Studium

Langfassung:

Achtung! Dieser Text ist so spannend und verständlich wie die Gebrauchsanweisung für IKEA Möbel. Nur für philosophische Nachteulen, die sich an umständlichen Worten und der genialen Strukur (man achte auf die Nummerierungen) erfreuen. Für alle Andern: Die spannenden Punkte sind 2 und 2.4.1.1 und ansonsten: Macht lieber was, anstatt immer nur darüber zu lesen, wie man es machen sollte!

Grundsätze einer freien Universität

Präambel:

Bildung spielt in der Gesellschaft und in den Prozessen einer sich verändernden Welt eine zentrale Rolle. Die Form und die Art und Weise von Bildung, die heute in Schulen und Universitäten Deutschlands überwiegend vermittelt wird, kann jedoch den aktuellen Herausforderungen vor denen unsere Gesellschaft steht nicht mehr gerecht werden. Tatsächlich glauben wir, dass das aktuelle Schulsystem (mit seiner dogmatischen Fokussierung auf die Wiedergabe von Faktenwissen in Stresssituationen, durch die Kategorisierung von Kindern in Gute und Schlechte, durch das irrationale Beharren auf Konkurrenzdruck und durch die fehlende Förderung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung), weder das Glück Einzelner, noch das Gemeinwohl, effektiv fördert.

Tatsächlich ist das heutige Schulsystem, das eingeführt wurde, um den Menschen ein Mindestmaß an Bildung zukommen zu lassen, damit die Wirtschaft sich in optimaler Weise entwickeln konnte, einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die vielen heutigen Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht, nicht gelöst wurden und werden. Darum wollen wir versuchen eine neue Form von Bildung experimentell zu leben, um inmitten der Gesellschaft neue Möglichkeiten des Miteinanderlebens und -lernens auszuprobieren und aufzuzeigen.

Grundlegende Prinzipien:

1. Wir streben danach all unseren Handlungen das Prinzip der Demut zugrunde zu legen. Demut vor der Unterschiedlichkeit der Menschen und der Einzigartigkeit des Einzelnen. Demut als ständig Offenheit gegenüber Neuem und einer staunenden und wundernden Grundhaltung gegenüber dem noch Unbekanntem.

1.1. Aus der Demut vor der Unendlichkeit der Möglichkeiten folgt das Bewusstsein, das der eigene Weg nur ein Weg unter vielen ist und nicht der einzig mögliche oder der unter allen Umständen und für alle beste.

1.1.1. Darum glauben wir weder an eine perfekte Lernmethode noch an einen perfekten Lerninhalt. Stattdessen gehört das Herausfinden der Art und Weise wie und was man am besten lernt zum eigentlichen Lernprozess. Weder Lerninhalte noch Lernmethoden werden daher vorgegeben, sondern von den Lernenden selbst gewählt. Die Universität sollte nur den Raum für möglichst viele Möglichkeiten bieten, frei nach dem Grundsatz: „Alles was man denken kann, ist auch möglich.

1.1.2. Daraus folgt außerdem, dass alle weiteren hier dargestellten Vorstellungen (vor allem ab dem zweiten Punkt) weder für alle zwingend, noch ewig fest sind, sondern vielmehr von jedem Einzelnen neu überdacht und verändert werden können und somit einem ständigen Prozess und Veränderung unterworfen sind.

1.1.2.1. Mindestens einmal wöchentlich sollte darum eine gemeinsame Reflektion über Grundsätze, Lernmethoden, Lerninhalte und Ähnliches stattfinden

1.2.Wenn es keine für alle Menschen perfekte Lernmethode gibt, dann darf auch die Universität keine starre Struktur haben, sondern muss selbst ein Prozess sein, der sich ständig weiterentwickelt und offen ist für alle neuen Heraus- und Anforderungen. Es hat sich herausgestellt, dass Stillstand und automatisierte Prozesse für den Menschen grundsätzlich ruinös sind. Darum kann auch ein Mensch in einer sich verändernden Welt nur dann Zufriedenheit erreichen, wenn er sich selbst verändert, das heißt, wenn er lernt. Darum ist jeder Mensch Zeit seines Lebens Lernender. Aus dieser Prozessorientierung entsteht auch die Freiheit das Uni-Experiment, wenn nicht anders möglich, scheitern zu lassen.

2. Wir definieren Bildung neu (frei nach Otto Herz): Bildung ist das nachhaltige Bemühen, den Menschen und die Welt zuerst verstehen zu wollen und dann so verändern zu wollen, dass die Welt lebens- und liebenswert wird und bleibt.

Erläuterungen zu 2: Diese Definition von Bildung enthält drei grundsätzliche Elemente. Zuerst einmal ist Bildung eine Grundhaltung, die jeder Mensch lernen und immer wieder neu lernen kann und sollte. Diese Grundhaltung ist eigentlich jedem Menschen von Geburt an eigen, durch die uns mitgegebene Neugier, unserem Bedürfnis etwas zu gestalten und unserem Bedürfnis in einem sozialem Umfeld zu leben, zu lieben und geliebt zu werden. Nur werden diese Grundbedürfnisse durch Gesellschaft und Schule immer wieder unterdrückt und mir schlechten Erfahrungen verbunden, bis von der Entdeckerfreude, der Gestaltungslust und der Fähigkeit zu lieben nicht mehr viel übrig ist. Es geht also in einer echten Bildung zunächst einmal darum diese Grundhaltungen des Menschen zu bewahren und zu fördern, denn es kann keine bessere Grundvoraussetzung dafür geben, dass ein Mensch glücklich wird, als dass er sich diese Haltungen zu eigen macht, denn dann wird er alle weiteren Voraussetzungen und Fähigkeiten, die er braucht, selber lernen. Das zweite Element besteht daraus die Welt und den Menschen tatsächlich zu verstehen. Es geht also darum sich natur- oder geisteswissenschaftliches Wissen anzueignen.

Zuletzt geht es darum das Gelernte tatsächlich auch in der realen Welt anzuwenden, das Verstandene zu verinnerlichen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, um als Teil einer sich verändernden Welt so zu wirken, wie man es sich auf der Grundlage des Verstandenen erhofft.

2.1. Wird Bildung in diesem Sinn verstanden, so wird sie zum eigentlichen Ursprung aller Veränderung in der Welt. Weder beginnt Bildung mit der Schule, noch hört sie nach der Schule oder Universität auf. Stattdessen lernen wir unser Leben lang. Alle Prozesse, die wir als Menschen beginnen, gehen von unserer Bildung aus und hängen von ihr ab. Darum sind auch alle Menschen wechselseitig Lehrende und Lernende.

2.2. Für eine solche Bildung ist es das wichtigste Ziel die lebendige Grundhaltung des Menschen zu erhalten und zu fördern. Diese findet ihren Ausdruck in der Entdeckerfreude, der Gestaltungslust und vor allem in der Begeisterungsfähigkeit eines Menschen. Wir glauben, dass jedes Individuum zur freien Entfaltung seines kreativen Potenzials berufen ist. Dazu muss der Lernort, der immer auch ein Lebensort ist, und die gesamte Lernsituation so beschaffen sein, dass der Lernende sich seiner Umwelt und Neuem öffnen kann.

2.3. Eine solche Bildung bedeutet, dass am Leben gelernt wird.

2.3.1. Darum ist es für uns besonders wichtig, dass direkt in einer Gemeinschaft gelernt wird. Nur durch das gemeinschaftliche Bewältigen von Aufgaben können zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Affektkontrolle, eine feinfühlige Wahrnehmung der Anderen effektiv gelernt werden. Wir setzten auf auf ein kooperatives Lernen statt Konkurrenzdenken. Schon allein darum verzichten wir auf Noten im herkömmlichen Sinn.

2.3.2. Um Selbstvertrauen entwickeln zu können, braucht es vor allem Selbstwirksamkeit. Das heißt Menschen müssten um ihre eigenen Fähigkeiten wissen und und auch das Gefühl haben, dass sie in der Gemeinschaft, in der sie leben, wichtig sind und etwas zum Erhalt dieser Gemeinschaft beitragen. Dazu gehört auch eine möglichst große Eigenverantwortlichkeit. Darum wird von Anfang an so weit wie möglich an realen Aufgaben gelernt. Möglichst alle anfallenden Aufgaben (wie z.B. Kochen, Putzen, Spendenakquise, Auswahl der Lernmethoden oder Lernmaterialien, Organisation, Verwaltung, …) werden von den Lernenden erledigt. Statt fiktiver Planspiele wird versucht reale Projekte ins Leben zu rufen, für die auch längerfristig Verantwortung übernommen werden muss.

2.3.3. Aus unserem Selbstverständnis diese neue Form von Bildung in einer Gesellschaft zu leben, um neue Möglichkeiten aufzuzeigen und somit auch verändernd zu wirken, entsteht eine Verantwortung sowohl der Gesellschaft, als auch der Universität gegenüber. Nicht nur in bildungspolitischer Hinsicht, sondern auch in anderen Bereichen wie Umwelt, Politik, Konsumverhalten und Ähnlichem versuchen wir durch bewusstes Handeln zu einer nachhaltigen Lösung der aktuellen Probleme beizutragen.

2.4. Eine solche Bildung bedeutet, dass fürs Leben gelernt wird.

2.4.1. Das wichtigste Ziel von Bildung ist es Menschen die Fähigkeiten zu vermitteln, um glücklich zu werden und zum Glück von Anderen beitragen zu können. Es geht darum die Welt zu verstehen und gestaltend wirken zu können. Das bedeutet, dass neben dem Faktenwissen vor allem auch Persönlichkeitsentwicklung ein Lernziel darstellen kann.

2.4.1.1. Weitere Lernziele könnten sein (wieder frei nach Otto Herz): Wissensdurst, Verstehenshunger, Entdeckerfreude, Erlebnislust, Spürsinn, Ehrfurcht, Wachsamkeit, Achtsamkeit, Verantwortungsgefühl, Visionswillen, Wagemut, Risikobereitschaft, Unternehmenslust, Selbstwirksamkeit, Einmischungskompetenz, Zivilcourage, Humanität und Solidarität.

2.4.2. Um in der immer komplexer werdenden Welt auch heute noch mündiger Bürger zu sein, braucht es ein breit gefächertes interdisziplinäres Wissen. Sowohl weiterführende Kenntnisse in den Naturwissenschaften, als auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften sind heute nötig, um bei den täglichen Handlungen Entscheidungen treffen zu können, die dem eigenen Wohl und dem Gemeinwohl förderlich sind.

2.4. Eine solche Bildung sollte möglichst unabhängig von Staat und Wirtschaft und trotzdem für alle Menschen (finanziell) möglich sein.

– Konzept-Fragment

Zusammengestellt aus Textteilen von Diemut u. Patrick, Martin, Tomas,

bearbeitet von Alexandra, Camilla, Cornelius, Lukas, Martin, Rebekka, Tomas

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I. Wer ist Student im Sinne von UniExperiment ?

Jeder Mensch, der

a) versucht, offen und unvoreingenommen zu hinterfragen, und
b) eigene Ideen entwickelt und daraus Ideale bildet, und der
c) versucht, diese teilnahmsvoll zu leben und im Handeln zu verwirklichen, und der
d) dies alles (a)-c)) tut, in kontinuierlichem Austausch mit seiner Mitwelt und seinen Mitmenschen,

ist Student von UniExperiment.

            II. Studienstufen u. -fragen

        1. „Studium generale“

Wir verstehen jeden Menschen, der sich für sich allgemein in der Welt orientiert, als einen Studenten seines „Studium generale“.

2. „Studium individuale“

Wer seine eigene Herzensfrage(n), die er in sich trägt, gefunden hat und ihr (ihnen) folgt, den sehen wir auf der Stufe seines „Studium individuale“. Die Herzensfragen des UniExperiment-Studenten verstehen wir als seine Studienfragen.

3. „Studium initiale“

Wer entlang seiner Herzensfrage(n) an einem konkreten Projekt arbeitet, den verstehen wir als Studenten seines „Studium initiale“.

       III. Studium

       1.

Jeden, der dies wünscht, wollen wir als Studentengemeinschaft UniExperiment dabei unterstützen, seinen eigenen Studienweg zu gehen.

 Für diese Unterstützung

– kann jeder UniExperiment-Student im UniExperiment ein Umfeld von Gleichgesinnten finden, die sich in ihrer jeweils eigenen Weise um die in I. beschriebene Haltung bemühen

– materielle, rechtliche und finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen, die sich die Studentengemeinschaft UniExperiment geschaffen hat, z. B.
–  Räumlichkeiten
–  Kontakte
–  Kooperationsmöglichkeiten
–  Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen der Mitstudenten und
– extern verpflichteten Dozenten
–  finanzielle Mittel

     2.

Jeder UniExperiment-Student (gemäß der Definition unter I.)  verpflichtet sich, mit seinen Mitstudenten kontinuierlich im Austausch und Gespräch über den Fortgang seines Studiums zu bleiben (s. a. I d).

 

    IV. Grundwerte des UniExperiment

(Grundlagen/gemeinsamen Werte)

Die Gemeinschaft der Studenten des UniExperiment  lebt und  studiert in Gemeinschaft.

Die Gemeinschaft der Studenten des UniExperiment arbeitet mit regelmäßiger Reflektion und Austausch.

Die Gemeinschaft der Studenten des UniExpwriment arbeitet auf der Grundlage von

 –       Ehrlickeit

–       Vertrauen

–       Selbstverantwortung

–       Eigeninitiative eines jeden Teilnehmers

–       Motivation des  Einzelnen

–       Gegenseitige Unterstützung  der Prozesse

                  Ohne Eigeninitiative findet nichts statt. : -)

– Michi

Was ist die Universidee?

Die Universidee bedeutet für mich die Initiative zu ergreifen, meine wahren Interessen und Leidenschaften, die mich wirklich bewegen und ausmachen herauszufinden und ihnen radikal nachzugehen, um als Mensch authentisch sein zu können.

Es ist der Entschluss, ehrlich auf das Wesen in meinem Innern zu schauen, den Spiegel beiseite zu stellen und loszulaufen um wesentlicher Teil dieser Welt zu werden.

Es geht darum, Bildung im wörtlichen Sinne als Bildung (Zusammenführung/Ausbildung/Reifung) des Menschens der man ist zu verstehen und nicht an Zeugnissen oder Abschlüssen zu messen.

Was ist das UniExperiment?

Das UniExperiment sind für mich konkret die Menschen, die sich hier mit mir in Stuttgart für die Universidee entscheiden, die als Gemeinschaft zusammenwachsen wollen, um – besonders zwischenmenschlich – einen Raum zu schaffen, der es jedem Einzelnen ermöglicht, sich und sein Potential voll entfalten zu können.

Eine authentische Gemeinschaft, die intern gemeinsame Interessen und Leidenschaften, sowie als „wesentlich“ empfundenes bewegt, aber als Gruppe auch nach außen wirkt und agiert.

Wieso ein selbstorganisiertes Studium?

Ich sehne mich nach Ehrlichkeit, Authentizität und Echtheit. Ein bereits bestehendes Schul- oder Universitätssystem, welches mir eben das bieten kann, ist mir nicht bekannt. Ich glaube allerdings fest, dass wenn man ehrlich an etwas interessiert ist, es immer auch einen Menschen gibt, der es einem ehrlich zeigen, lehren, erklären, beibringen oder auch vorführen kann und möchte. Die Kunst ist es, die richtigen Menschen zusammenzubringen, damit gemeinsam Großes entstehen kann. Große Gefühle, große Taten, große Veränderung.

Also lerne ich, mich selbst zu organisieren, Selbstverantwortung zu übernehmen und aktiv zu sein, denn ich glaube, dass man die Chance auf Veränderung nur so wirklich ausschlaggebend beeinflussen kann. Ist man in Bewegung, kommt man an Dingen vorbei, streift sie, kollidiert mit ihnen. Geht man in dieser Bewegung seinen Interessen nach, wird man stets auf die richtigen Dinge stoßen und es wird sich immer lohnen die Hindernisse, die auftauchen zu überwinden, oder gleich aufzulösen.

Je mehr Menschen ihre Wege gemeinsam gehen, desto einfacher wird es sein, eben diese Hürden in Angriff zu nehmen, sie zu überwinden und letztlich aus dem Weg zu räumen. (bis es keine mehr gibt, weil alle Menschen den Weg des Lebens gemeinsam gehen!)

Ich hoffe sehr, dass das Experiment eines selbstorganisierten und selbstgestalteten Studiums zum einen den Studierenden persönlich weiter und seiner Zufriedenheit näher bringt und zum anderen, dass es eben diese Wege ebnet, Verbindungen und Netzwerke schafft, die es in Zukunft leichter machen, dass Menschen, die gleiche Interessen teilen zusammenfinden, um sich austauschen und voneinander lernen zu können und Projekte entstehen lassen, die authentisch, ehrlich und wichtig sind.

Ich hoffe, dass wenn mehr Menschen den Weg wagen herauszufinden -in sich hineinzuhören- was sie wirklich wollen und sich mit eben solchen zusammentun, unglaubliche Dinge entstehen, die diese Welt besser machen und vielleicht irgendwann einmal dazu führen, dass der bereits entstandene Schaden auf diesem Planeten rückwirkend angegangen werden kann.

von Michi

– Emil

Ich bin ein junger Mensch. Als junger Mensch fühle ich mich oft noch nicht so ganz verantwortlich für diese Welt und auch noch nicht ganz fähig die Welt zu gestalten. Ich wurde ja schließlich hineingeworfen in diese schon lange existierende Welt und Gesellschaft und habe erst begonnen sie mitzugestalten. Ich staune oft voller Respekt und Ehrfurcht vor all jenen Erfahrenen, deren Wahrnehmungen und Handlungen so viel ausgefeilter und routinierter sind.

Aber als junger Mensch bin ich Teil der Generation, die hauptsächlich die Zukunft gestalten wird. Ich bin nicht nur verantwortlich, sondern sogar Teil der Zukunft, denn ich werde in der zukünftigen Gesellschaft leben. Irgendwann werde ich zu jener erfahrenen und routinierten Generation gehören, die die Welt der nächsten Generation überlässt und ihr Wissen weitergibt.

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Darum will ich lernen wie ich die Welt gestalte. Ich will die Welt im Grundsatz verstehen, ich will alle Fähigkeiten lernen, mir alle Eigenschaften zu eigen machen und alle Sinne schärfen, die ich brauche, um die Welt so zu gestalten, dass ich gerne in ihr weile. Eine liebenswerte Welt, dass ist meine Motivation.

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Aber ich habe keine staatliche Institution gefunden, die diese Motivation erfüllen könnte. Keine Ausbildung und keine Fächerkombination könnten meiner brennenden inneren Frage nach einer anderen Welt gerecht werden.

Keine Prüfung an einer staatlichen Uni prüft das, was ich als meinen eigentlichen Studieninhalt ansehe. Und darum kann auch kein staatlicher Abschluss meine eigentlichen Fähigkeiten oder Talente beschreiben. Kein staatlicher Abschluss erwähnt oder würdigt meinen eigentlichen inneren Antrieb oder meine Gestaltungslust.

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Darum braucht es eine Universität, bei der ich das lernen kann, was ich wirklich brauche. Eine Uni, bei der ich bestimme was und wie ich lerne. Eine Uni, deren Ziel es ist, die Welt zu gestalten. Ein Studium, dessen Inhalt ich als mein eigentliches Studium betrachte. Einen Abschluss, der meine eigentlichen Fähigkeiten und Interessen zeigt.

Darum Universidee!

Warum diese Webseite?

Ich hoffe, dass bald überall in Deutschland Menschen aktiv werden und beginnen ihre Bildung und ihr Studium selbst zu gestalten. Vielleicht wird es bald überall in Deutschland Studenten der Universidee geben, die so lernen wie sie es wirklich wollen.

Vielleicht wird die eine völlig frei und selbstorganisiert lernen und ein anderer trotzdem ein staatliches Studium oder eine Ausbildung machen und nebenbei all die Dinge nachholen, die er dort vermisst. Aber er wird sein staatliches Studium oder seine Ausbildung nur als Bestandteil seines eigentlichen Studiums an der Universidee betrachten und auch nicht seinen staatlichen Abschluss als seinen eigentlichen Abschluss betrachten, sondern sich mit seinem eigenem Abschluss von der Universidee bewerben.

Vielleicht kommt bei dem einen oder anderen die Frage auf, warum es noch diese Webseite braucht, wenn jeder sein Studium selbst gestaltet. Hier ein paar mögliche Gründe:

Mut machen

Jeder, der sich für bessere Bildung engagiert, versucht selbstbestimmter zu lernen oder auch nur am aktuellen Bildunssystem zweifelt, soll wissen, dass er nicht allein ist mit seinen Gedanken und seinem Tun, sondern, dass es viele, viele Menschen gibt, die sich ebenfalls Gedanken machen oder schon aktiv sind. Wir hoffen dadurch Mut zu machen, selber aktiv zu werden und den eigenen Weg zu gehen.

Veränderungen sind das Werk aktiver Minderheiten – Otto Herz

Gemeinsam etwas verändern

Wir wollen nicht als Einzelkämpfer untergehen, sondern gemeinsam erfolgreich sein. Wir verstehen uns als Teil einer großen Bewegung. Wir wollen dazu beitragen, dass es bald überall auf der Welt Gruppen von Menschen gibt, die sich auf den Weg machen, um die Gestaltung der Welt selbst in die Hand zu nehmen und selbstbestimmt lernen und leben.

Vernetzung

Hier kannst du vielleicht Menschen in deiner Nähe finden, die ebenfalls aktiv werden wollen oder sogar schon aktiv sind. Auch kannst du hier schauen, ob es Menschen gibt, die sich gerade mit ähnlichen Fragen wie du beschäftigen oder Menschen, die auch schon immer mal diese Aktion und jenes Projekt starten wollten und mit denen du endlich Leute gefunden hast, um genau das zu tun, was du schon immer tun wolltest. Wer sich mit anderen zusammentut, der merkt, dass 1+1 viel mehr als 2 ist.

Inspiration und Ideenschmiede

Auch hoffen wir, dass möglichst viele Menschen durch die Beispiele über individuellen Lernwege auf dieser Webseite inspiriert  werden und Ideen bekommen, wie ein freieres und selbstbestimmteres Lernen und Studieren aussehen könnte und auch ganz viele neue Träume und Ideen entstehen.

Öffentlichkeit

Wir wollen, dass die Menschen sehen, was und wie wir studieren und wir wollen selber wissen, was und wie andere selbstbestimmte Menschen studieren.  Darum wollen wir hier die Möglichkeit bieten, seinen Studienverlauf und seine Studienergebnisse zu veröffentlichen.

Würdigung

Wir wollen jene Fähigkeiten und Errungenschaften würdigen, auf die ein Student wirklich stolz ist und von denen er glaubt, dass sie ihn qualifizieren und auszeichnen. Darum bieten wir Abschlüsse an, die zeigen, was du wirklich kannst und was du erreicht hast. Bald werden sich alle Menschen in Deutschland nur noch mit Abschlüssen der Universidee bewerben und benutzen die staatlichen Abschlüsse und Zeugnisse, wenn überhaupt, nur noch, um einzelne, spezifische Fachkenntnisse nachzuweisen.

 

Eine besondere Schule – weit weg von „Normal“

von Lukas

Vom 18. bis zum 22. November 2013 habe ich in der Freien Aktiven Schule Frankfurt hospitiert. Mit diesem Bericht möchte ich versuchen, ein paar meiner Eindrücke und Erfahrungen, die ich in dieser Schulwoche gesammelt habe, festzuhalten! Das sind Eindrücke von gerade einmal 5 Schultagen. Es kann also durchaus sein, dass ich ein von der Wirklichkeit abweichendes Bild gewonnen habe, manches gar nicht erlebt habe, was wesentlich ist und vor allem vieles noch nicht verstanden habe.

 Als ich Montagmorgen das erste Mal in die Schule fuhr, hatte ich eine Menge Vorstellungen und Erwartungen im Gepäck, vor allem eine gute Portion Skepsis: Leben die Schüler glücklich in ihrer heilen Welt und kommen später im „realen“ Leben vielleicht gar nicht gut zurecht? Wie gehen sie dann wohl mit den unangenehmen Seiten des Lebens um, wenn sie immer nur gemacht haben, wozu sie Lust hatten? Inwieweit fühlen sie sich denn als Teil der Gesellschaft und dadurch auch in der Verantwortung, diese zum Guten hin verändern zu wollen? Wenn sie in der Schule lernen, dass jeder für sich und sein Handeln verantwortlich ist, wie viel Verständnis haben sie dann für Menschen, die sich nicht von dem gesellschaftlichen Druck befreien können, den sie selbst ja nie stark zu spüren bekommen haben? Ist es dann nicht einfach, zu sagen: „selbst dran Schuld?“ Und sind die Schüler nicht alle aus sehr alternativen Familien und damit „unter sich“? Bleiben sie das nach der Schule ebenfalls und stellen dadurch vielleicht eine paradiesische Parallelgesellschaft dar?

 Die FAS hat ca. 70 Schülerinnen und Schüler zwischen 7 und 17 Jahren. Außerdem gehört noch ein Kindergarten mit 25 Kindern dazu, der Übergang ist fließend. Die Schüler sind altersmäßig in Primar und Sekunda unterteilt, die Grenze liegt bei ungefähr 12 Jahren.

Es gibt einen großen Hauptraum, der in verschiedene Bereiche unterteilt ist: Es gibt eine gemütliche Leseecke mit vielen Büchern für jedes Alter, eine Näheecke, einen Kreativbereich (Plastizieren, Malen, Basteln etc.), einen Aufenthaltsbereich, in dem alles mögliche gespielt wird und einen Bereich zum Bauen mit „Kapla-Klötzchen“ (dünne, längliche Holzklötze). Der Hauptraum erinnert an ein großes Wohnzimmer und bietet sehr viel Geborgenheit. Außerdem gibt es einen Toberaum, einen „Ruhigen Raum“ zum Arbeiten und zwei Räume, die nur für die Sekunda bestimmt sind. Das sind ein Aufenthalts- und ein Arbeitsraum. Es gibt eine Küche, in der sich jederzeit, jeder der Lust hat, etwas Kochen oder Backen kann. Draußen gibt es noch eine Werkbank, viele Möglichkeiten zum Toben und Spielen, ein paar Beete und den benachbarten Fußballplatz zum Sport machen.

Die Schule geht von 8:30 Uhr bis 13:00 Uhr und mittwochs für die Sekunda bis 17:00 Uhr. In dieser Zeit gibt es keine verpflichtenden Unterrichte, stattdessen beruht alles „Unterrichtsähnliche“, was stattfindet, auf freiwilligen Vereinbarungen und setzt damit Interesse voraus. Es gibt eine Pinnwand, an der sowohl Schüler, als auch Erwachsene („Lernbegleiter“) Vorschläge für Aktivitäten machen. Das sind z.B. Vorschläge für Ausflüge ins Theater oder in einen Kletterpark, Bastelangebote, oder auch Vorschläge für „Lerngruppen“. Im Moment treffen sich, mehr oder weniger regelmäßig, eine Theatergruppe, eine Foto AG, eine Lateingruppe, eine Fahrradwerkstattgruppe und eine Lesegruppe. Außerdem gibt es von „Lehrern“ angebotene Physik- Mathe- oder Englischzeiten. Die Schüler können aber auch sonst jederzeit Lehrer um Hilfe bitten, wenn sie sich mit etwas beschäftigen. Wenn ein Schüler in die Sekunda kommt, bekommt er einen Tutor, der dann sein persönlicher Ansprechpartner ist und seine Entwicklung begleitet. Generell verhalten sich die Erwachsenen aber vor allem beobachtend und beratend, also recht passiv. Schon mehrmals habe ich Leute sagen hören, dass die FAS, eine der radikalsten Alternativschule sei.

 Am Anfang beobachtete ich zuerst einmal, was die Schüler so machten. Überall spielten Kinder mit viel Spaß und Bewegung. Drei Mädchen spielten fast einen ganzen Tag lang „Schule“. Eine war die Lehrerin und gab strenge Anweisungen, während die beiden anderen freche Schülerinnen spielten. Andere bauten mit Dominosteinen oder Kaplaklötzen, lasen, bastelten, bewarfen sich mit Kissen, spielten Brettspiele, kochten, unterhielten sich einfach oder machten vereinzelt auch Musik. Alle waren sehr lebendig und fröhlich, so dass dauerhaft ein gewisser Lärmpegel herrschte. Es war eine sehr angenehme, lockere Atmosphäre ohne jeden Druck oder Stress. Ich habe die Schüler untereinander als sehr kommunikativ und lustig erlebt. Was sie machten, machten sie mit einer großen Selbstverständlichkeit und viel Selbstvertrauen. Wenn einer keine Lust auf etwas hatte, machte er eben etwas anderes als die anderen und das war auch kein Problem für irgendjemanden. Für Äußere Unterschiede, besondere Verhaltensweisen und seltsame verbale Äußerungen habe ich eine große Offenheit erlebt.

Ich habe es nicht oft erlebt, dass sich Schüler mit „normalen Schulthemen“ wie Mathematik oder Englisch beschäftigten. Stattdessen stand vor allem das soziale Miteinander im Vordergrund. Die Gemeinschaft und den Austausch untereinander habe ich als sehr stark und intensiv empfunden. Trotzdem habe ich oft den Eindruck gewonnen, dass die Schüler auch so einiges wissen. Ein 14 jähriger Schüler erzählte mir zum Beispiel, dass er regelmäßig Tiere und Pflanzen beobachte und sogar seziere. Er kannte sich offensichtlich sehr gut aus! Auffällig war auch, dass sich viele Schüler sehr gewählt ausdrückten. Schon 12 Jährige haben Wörter wie z.B. „absurd“ benutzt. Die meisten Schülerinnen und Schüler waren enorm aufgeweckt! Einmal habe ich mit einer 8 jährigen und mit einer 9 jährigen Schülerin etwas gebacken. Die 9 jährige hat sich dabei fast wie eine Erwachsene verhalten! Sie wusste genau, wie alles geht, dachte gewissenhaft an alles, was noch zu machen war und verhielt sich gegenüber der 8 jährigen, die ständig anfing, wegen irgendetwas zu diskutieren, meistens sehr ruhig und überlegt. Die älteren Schüler verhielten sich den jüngeren gegenüber generell sehr reif und verständnisvoll.

Am Mittwochnachmittag kam eine Schülermutter, die studierte Juristin ist und gab allen Interessierten eine Einführung ins Zivilrecht. Es war ein trockenes Thema und die Form war im Prinzip Frontalunterricht. Die Schüler behandelten das Thema mit viel Humor und Interesse. Obwohl einige sich nicht gut konzentrierten und mit vielem andren beschäftigt waren, verstanden sie die Inhalte schnell. Die Schüler waren zwischen 12 und 17.

Wenn ich Schüler ansprach, waren sie sehr gesprächig und haben mir gerne und sehr ausführlich auf Fragen geantwortet. Von sich aus haben sie aber fast überhaupt nicht den Kontakt mit mir gesucht und auch wenn ich großes Interesse an ihnen gezeigt habe, keines an mir oder dem was ich mache gezeigt! Das hat mich sehr verwundert. Teilweise habe ich Schüler als egozentrisch erlebt, was in ihrem Alter vielleicht auch nicht verwunderlich sein muss.

Ich habe mehrere Schülerinnen und Schüler gefragt, wie es für sie sei, wenn sie außerhalb der Schule Kontakt mit Leuten haben. Viele von ihnen haben Freunde, die auf Regelschulen gehen, oder spielen im Fußballverein. Alle die ich fragte, erzählten von starken Vorurteilen mit denen sie zu kämpfen hätten. Regelmäßig würden Leute meinen: „Ihr lernt auf eurer Schule doch überhaupt nichts und kommt vor allem nicht zu Abschlüssen!“ (Die natürlich als das Wichtigste betrachtet werden…) Die Schüler berichteten aber alle, dass sie die Leute schnell von sich überzeugen würden. Sie erzählten glaubhaft, dass sie meistens viel mehr wüssten, als Kinder in ihrem Alter. Den Eindruck habe ich auch gewonnen, sie schienen vor allem lebenspraktischeres und damit wichtigeres als andere in ihrem Alter zu wissen. Wenn die älteren Schüler Praktika absolviert haben, seien die Rückmeldungen auch immer super gewesen. Die Leute hätten es meistens nicht fassen können, wie aufgeweckt und interessiert die Schüler seien.

Einige der älteren fragte ich, wie sie Menschen erleben würden, die weniger offen und locker seien und mehr unter dem gesellschaftlichen Druck (Normen…) stünden. Darauf bekam ich unterschiedliche Antworten. Einer sagte: „Wir haben eben auch dumme Leute getroffen!“ Ein anderer sagte: „Es muss jeder gucken, was er macht und man kann sich ja andere Wege suchen!“ Das sind nur zwei Aussagen, die aber meine Eindrücke bestätigen. Ich habe das Gefühl, dass die Schüler so von der Freiheit und Eigenverantwortung der Menschen überzeugt sind, dass sie nicht unbedingt das Bedürfnis haben/bzw. die Notwendigkeit sehen, ihnen zu helfen. Man muss dazu sagen, dass sie ja nie so unter diesem Druck gestanden haben und wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen können, wie schwierig es ist, sich von diesem Druck zu befreien! Allerdings muss man auch sagen, dass sie zwischen 14 und 17 Jahren alt waren! In 4 Jahren sieht das vielleicht ganz anders aus.

Was ich mich auch stark frage, ist, wie es bei den Schülern mit Ehrfurcht und Bewunderung aussieht. Ich erinnere mich noch, wie meine Lehrerin uns in der Schule von den verschiedenen Handwerksberufen erzählt hat, z.B. davon, wie der Bauer im Jahresrhythmus arbeitet, sein Land pflegt und erntet. Das hat sie mit so einer Ehrfurcht vor den Menschen getan, die Tag für Tag eine für uns alle so wichtige und dabei so harte Arbeit verrichten. Durch ihre Ehrfurcht und Dankbarkeit, war auch ich ehrfürchtig und habe die Handwerker bewundert. In der Schule habe ich auch die Edda, die griechischen Mythologien und die Bibel vorgelesen oder erzählt bekommen. Dadurch habe ich Demut und Bewunderung entwickelt. Demut gegenüber dem Wunderbaren der Welt, was man nicht mit dem Intellekt verstehen kann. Demut gegenüber all dem, was Menschen vor uns geleistet und erlebt haben. Und Demut gegenüber all den Zusammenhängen, die wir Menschen gar nicht begreifen. Natürlich entwickeln Menschen nicht automatisch Demut und Bewunderung, nur weil ein guter Lehrer ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Und Menschen können sie auch anders entwickeln. Trotzdem frage ich mich, ob sich den Schülern diese Dimensionen eröffnen.

Was ich im Nachhinein ebenfalls als sehr wertvolles Element meiner Schule erachte, sind gewisse Rhythmen. Wir haben z.B. morgens Lieder gesungen und Gedichte gesprochen. Rhythmen können bei den Schülern auch von selbst entstehen, aber zusammen zu singen, ist schon an sich ja etwas Wunderbares. Dazu gab es noch Rhythmen im Jahresverlauf. Vier mal im Jahr gab es ein Fest, passend zu den Jahreszeiten. Dadurch ist bei mir Bewusstsein für die Natur und den Jahresverlauf entstanden und es ist auch einfach schön, wenn es so große Feste gibt.

Bei den älteren Schülern habe ich manchmal gedacht, sie könnten mehr Herausforderungen vertragen. also Aufgaben, selbst gesucht oder von außen herangetragen, die man gerne lösen will. Probleme, die gelöst werden wollen, mit denen man auch mal zu ringen hat und kämpfen muss. Denn ich glaube man bildet sich bzw. entwickelt sich gerade dann am allerbesten: Wenn man Herausforderungen meistert! Wenn man also auch mal richtig gefordert wird, wie ja schon in dem Wort Herausforderung steckt.

Es war eine spannende Woche. Ich habe mich von vielen Vorurteilen, wie Schule doch sein solle gelöst und erlebt, wie Schule ganz anders funktionieren kann. Diese Erfahrung hat bei mir einige Fragen und neue Perspektiven aufgetan. Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Schule und den Schülern weitergeht! Denn ich denke, dass man die Früchte, die die Arbeit der Freien Aktiven Schule bzw. der Lernbegleiter trägt, erst in den nächsten Jahren wird sehen können. Wenn einige Schülerinnen und Schüler die Schule verlassen haben und man sieht, wie sie ihren Weg gehen!

1a) Was ist Bildung ?

(Text v. T. Langhorst)

I. In „Räumen für freies, selbstbestimmtes Lernen“ stellt sich mir die Frage:

Was ist Bildung ?“

Mit meiner Studienfrage 1

„Wie erschaffe und gestalte ich Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen ?“

sehe ich weitere Fragen verbunden.

Meine Studienfrage 1 nach den Räumen für freies, selbstbestimmtes Lernen wirft für mich zunächst die Frage nach dem Bildungsbegriff auf:
Einmal vorausgesetzt und hier weder weiter beschrieben noch begründet, „freies, selbstbestimmtes“ Lernen sei sinnvoll, stellt sich mir die Frage, was denn wohl „frei und selbstbestimmt“ gelernt werden soll ?
Die logische Antwort: NICHTS !

Denn wer frei und selbstbestimmt lernt, der „soll“ ja nunmal nichts lernen, sondern eben selbst bestimmen, was er lernen WILL.

Soll/kann sich dann im selbstbestimmt Lernenden etwas „bilden“, (auch) durch sein selbstbestimmtes Lernen und wenn ja: was ?

Welche Inhalte sollen denn nun „frei und selbstbestimmt“ gelernt werden ?
Eben die, die der Lernende sich frei wählt, werden gelernt, ohne ein „Sollen“ von Außen.

Aus einer so verstandenen „Lernfreiheit“ ergibt sich für mich sofort eine weitere Frage:
Kann diese Form der „Lernfreiheit“ total sein ? Kann Lernfreiheit grenzenlos sein ?

Lernfreiheit und Menschenbild

Während der Annäherung an mögliche Antworten auf diese Frage, stellt sich mir schon die nächste:
Welches Menschenbild liegt einer Lernfreiheit zugrunde, deren Optimum als ein Maximum an Freiheit angesehen wird ? Wenn ich also sage: Am besten finde ich es, wenn die Freiheit und Selbstbestimmung im Lernen möglichst groß sind ! Mit welcher Brille schaue ich dann auf den Menschen ?
Wenn ich dem Menschen möglichst viel Freiheit geben möchte, was für ein Bild vom Menschen habe ich dann ?

Zunächsteinmal behaupte ich damit, dass es sinnvoll ist, einem Menschen möglichst viel (Lern-)Freiheit zu geben.
Doch warum behaupte ich das ?
Warum könnte es sinnvoll sein, einem Menschen möglichst viel (Lern-)Freiheit zu geben ?

Einem Menschen möglichst viel Freiheit zu geben, kann ich nur dann als sinnvoll ansehen, wenn ich Freiheit als eine Qualität ansehe. Doch was, bitteschön, soll an Freiheit wertvoll sein ?

Ist der Mensch etwa ein Wesen, das Freiheit braucht, und falls ja: warum eigentlich ?

Weshalb kann Freiheit als eine Qualität angesehen werden, also auch die oben benannte Lernfreiheit ?
Eine Qualität begünstigt ja immer etwas. Eine Qualität macht etwas möglich, was ohne sie schlechter oder seltener möglich wäre. Eine Qualität beschreibt also einen Wert.

Welchen Wert beschreibt die Forderung nach möglichst großer Freiheit ? Welcher Wert wird in möglichst großer Freiheit gesehen, welche Qualität ?

Gibt es da etwas im Menschen:
eine Richtung vielleicht, eine ´Bestimmung´, eine Vorgabe ?

Freiheit kann ja als Freiheit von etwas gesehen werden, und als Freiheit zu etwas.
Lernfreiheit wäre dann die Freiheit von äußeren Vorgaben und die Freiheit zum Entdecken und Befolgen innerer „Vorgaben“. Diese Art der Freiheit von und zu setzt zweierlei voraus: dass es erstens eine Freiheit von äußeren Vorgaben überhaupt geben kann, und dass zweitens so etwas wie „innere Vorgaben“ überhaupt existieren.

Freies Lernen beinhaltet deswegen die Art der Freiheit des von und zu, weil Lernen ja ein Prozess ist, also eine Bewegung, die irgendwo hinführt. Also „muss“ auch die Freiheit, die mit dem Lernen verbunden ist, irgendwo hinführen. Das ist für mich deshalb von Bedeutung, weil es ja auch Arten der Freiheit geben mag, die nicht notwendigerweise zu etwas führen, sondern auch Selbstzweck sein können. Freiheit des Lernens aber führt zu etwas, weil Lernen als Prozess zu etwas führt.

Ob es nun Freiheit von äußeren Vorgaben überhaupt geben kann, will ich später beleuchten.

Mich interessiert jetzt die Frage, ob so etwas wie „innere Vorgaben“ überhaupt existiert. Oder halt: Mich interessiert zunächst nicht eimal, ob so etwas wie „innere Vorgaben“ existiert, sondern davor interessiert mich noch, welches Menschenbild der Vorstellung zugrundeliegt, es könne vielleicht und eventuell überhaupt so etwas wie „innere Vorgaben“ geben.

Ein „Menschenbild“ ist zugleich immer auch ein „Schöpfungsbild“, also ein Bild, eine Vorstellung, die ich mir von der Schöpfung mache und vom Menschen als einem Teil der Schöpfung.

Wenn ich nun also mal annehme, es könne so etwas wie „innere Vorgaben“ geben, und diese seien weiters probehalber mal angenommen vollständig unabhängig von Außen vorhanden: Ja, woher kommen dann diese „inneren Vorgaben“ ? Wie entstehen sie ? Wenn sie nicht ´von Außen´ hergestellt werden, dann ja wohl von ´Innen´. Aber wie ? Wer oder was stellt hier so genannte „innere Vorgaben“ her ?

Das könnte einmal in einem etwas augenzwinkernd genannten ´kryptischen Akt´ der betreffende Mensch selbst sein. Er könnte   ja selbst derjenige sein, der sich seine „inneren Vorgaben“ selbst erschafft, sie selbst ´herstellt´. Das könnte man als die eine Möglichkeit sehen. Als die zweite Möglichkeit könnte man sehen, dass er diese „inneren Vorgaben“ entweder schon zur Geburt mitbringt, oder dass sie eben in ihm wachsen und gedeihen, sich entwickeln allerdings ohne sein Zutun.

Sowohl die erste als auch die zweite Möglichkeit gehen aber davon aus, dass der Mensch eine ´Bestimmung´ hat, die in ihm selbst liegt. Das ist beiden Möglichkeiten gemein. Denn ob ich selbst meine inneren Vorgaben entwickle oder ob die sich in mir von selbst entwickeln: immer bin allein ich es, der entwickelt, oder in dem sich entwickelt.

Dabei setze ich ´Vorgaben´ mit ´Bestimmung´ gleich, denn immer dient eine `Vorgabe´ einer ´Bestimmung´, sonst ist sie keine oder sie ist sinn-, gehalt-, und kraftlos. Einer ´Vorgabe´ liegt eine ´Bestimmung´ zugrunde, also mindestens eine Richtung und manchmal ein Ziel. Eine Vorgabe behinhaltet also eine bestimmte Gerichtetheit, sonst ist sie keine. Da eine Gerichtetheit aber eine Richtung beinhaltet, beinhaltet eine Richtung auch eine Bestimmung. Denn eine Richtung ist immer eine Entscheidung für eine Richtung und damit gegen andere mögliche Richtungen. Ich ´bestimme´ mit (m)einer Entscheidung für eine Richtung ebendiese Richtung.

Wenn Bestimmung Richtung ist, Richtung Gerichtetheit und  Gerichtetheit eine Vorgabe, dann ist eine Vorgabe zugleich  Bestimmung.

Wenn ich weiters annehme es existierten innere Vorgaben, ob nun selbst ´hergestellt´ oder mit der Geburt auf die Welt gebracht, dann nehme ich also an, es existierte eine ´innere Bestimmung´, Richtung und Gerichtetheit.

Das ist ja dann mal ein ziemlich bedeutungsvolles und folgenreiches Menschen- und damit Schöpfungsbild.

Denn es geht vom Vorhandensein einer ´inneren Bestimmung´ aus.
Nur wenn ich von der Möglichkeit einer ´inneren Bestimmung´ ausgehe, kann ich von der Möglichkeit ´innerer Vorgaben´ ausgehen. Nur wenn ich von der Möglichkeit innerer Vorgaben ausgehe, kann ein von äußeren Vorgaben verschonter Lernprozess irgendwo hinführen !

Hier scheint mir klarzuwerden, dass nur ein Menschenbild, das vom Vorhandensein ´innerer Vorgaben´und damit einer ´inneren Bestimmung´ ausgeht, Sinn in einem von äußeren Vorgaben möglichst befreiten Lernen sehen kann.
Denn Lernen führt qua definitionem ja irgendwohin. Fiele nun die äußere Vorgabe weg, ohne dass es eine innere gäbe, so führte Lernen nirgendwo hin, und wäre somit kein Prozess, sondern allenfalls ein Zustand, und damit jedenfalls kein Lernen.

Da Lernen also Bewegung beinhaltet, Veränderung, beinhaltet Lernen auch eine Richtung, denn Bewegung ohne Richtung ist keine Bewegung, wie oft auch immer sich die Richtung während der Bewegung ändern mag.

Wer in der Lern-Bewegung seinen ´inneren Vorgaben´ folgt, folgt, in dieser Anschauung, seiner inneren Richtung und Bestimmung.

Freiheit als Qualität:
ist Freiheit „gut“ ?

Jetzt war ja oben die Rede davon, dass Freiheit als Qualität angesehen werden kann: die Freiheit von äußeren Vorgaben führe zur Freiheit, den inneren Vorgaben folgen zu können. Weiter schrieb ich oben von der Möglichkeit, diese Freiheit als Qualität anzusehen, mithin als „gut“. Wenn ich aber annehme, es sei „gut“, qualität- und sinnvoll den inneren Vorgaben zu folgen, so bedeutet das für mich auch, dass die inneren Vorgaben ´gut´ sind. Denn sonst könnte es ja nicht „gut“ sein, ihnen zu folgen. Welches Schöpfungs- und Menschenbild steckt aber hinter der Auffassung die dem Menschen eigenen inneren Vorgaben seien „gute“ ?

Letztlich steckt darin die Ansicht, der Mensch sei „gut“, wenn man ihn nur lässt. Er sei an Qualität orientiert, wenn man ihn nur seinen inneren Vorgaben folgen lässt und seine innere Bestimmung sei per se eine „gute“. Denn nur dann kann die Orientierung an den eigenen inneren Vorgaben gut sein, wenn diese inneren Vorgaben selbst „gut“ sind. Nur wenn „Gutes“ aus dem  Inneren auftaucht, wenn das beeinflussende Äußere wegfällt, nur dann kann die Freiheit von äußeren Vorgaben, die zu den inneren Vorgaben führt „gut“ sein.

Wie weit kann Lernfreiheit gehen ?

Oben begegnete mir auch die Frage, ob es denn eine totale Freiheit von äußeren Vorgaben im menschlichen Miteinander überhaupt geben kann. Die Hypothese liegt sicher nah und ist sicher leicht nachzuvollziehen, dass es eine solche vollkommene Freiheit von äußeren Vorgaben auf einem Planeten mit begrenztem Raum und begrenzten Ressourcen wohl kaum geben kann.

Zudem gibt es Einflüsse von außen nicht nur in Form von „Vorgaben“, sondern ja auch in Form von Verhalten anderer Menschen zum Lernenden.

Bildungsbegriff und Menschenbild

Die Frage, was Bildung sei, beinhaltet deswegen die Frage nach dem Menschenbild des nach Bildung Fragenden, weil im Begriff Bildung das Wort Bild steckt. Bildung wird auch verwendet sowohl im Sinne von „sich einem Bild annähern“ als auch von „sich ein Bild machen“. So kann Bildung als die Fähigkeit verstanden werden sich „ein Bild zu machen“ von einem Vorgang, von einer Tatsache, von Zusammenhängen. Zweitens kann Bildung verstanden werden, als ein Vorgang in dem jemand versucht sich einem Bild anzunähern, das er von sich oder etwas hat.

So kann der Bildungsbegriff sowohl einen Prozess beschreiben, in dem sich der sich Bildende einem Bild annähert, davon wie oder was er sein oder werden möchte, als auch einen Prozess, in dem sich der Gebildete sich selbst ein Bild des von ihm Wahrgenommenem macht. Aber wieso beinhaltet Bildung dann immer auch ein Menschen-Bild ?

Weil der Mensch es ist, der einem Bilde gleichzuwerden sucht und weil im zweiten Verständnis des Bildungsbegriffes es ebenfalls der Mensch ist, der sich ein Bild macht, von etwas. In beiden Verständnismöglichkeiten des Bildungsbegriffes ist es der Mensch, der blickt: entweder auf sein Idealbild oder auf seine Wahrnehmung.

Wenn aber der Mensch ein Bild als sein Idealbild akzeptiert und wenn der Mensch seine Wahrnehmung als solche akzeptiert, dann wird der Mensch als ein Lebewesen gesehen, das Ideale erkennen, benennen und auswählen kann. Und es wird zweitens der Mensch als ein Lebewesen gesehen, das seine Wahrnehmungen als seine Wahrnehmungen erkennen kann.

Wenn der Mensch nun als ein mit der Fähigkeit zur Idealisierung begabtes Wesen angesehen wird und außerdem als ein Wesen, das sich seiner Wahrnehmungen als solcher bewusst werden kann, dann wird der Mensch als ein Lebewesen mit (mindestens) diesen zwei Fähigkeiten angesehen. Und wenn der Mensch als Lebewesen mit Fähigkeiten angesehen wird, so basiert diese Zuschreibung auf einem Menschenbild, das dem Menschen Fähigkeiten zubilligt, oder das ihm zumindest die Fähigkeit zur Entwicklung dieser Fähigkeiten zubilligt.

Hier setzt ein weiterer Aspekt des Bildungsbegriffes an: Was bringt der Mensch schon mit, und was muss entwickelt werden ? Ja, bringt er vielmehr vielleicht schon alles mit, auch das, was von ihm allein noch weiter entwickelt werden kann ?

Freiheit im begrenzten Raum

Braucht der Mensch Vorgaben und Verhalten von anderen Menschen um zu „reifen“, um zu entwickeln, was in ihm steckt ?

Ich meine: ja.
Denn es gibt im Zwischenmenschlichen Vorgaben und Verhalten.
Also gehört zur „Bildung“ für mich auch, den Umgang mit Vorgaben anderer und dem Verhalten anderer zu lernen.

Wie aber steht es dann mit der Lernfreiheit des möglichst selbstbestimmt Lernenden ?

Selbstbestimmtes Lernen heißt für mich nicht: völlige Selbstbestimmung. Denn die kann es im menschlichen Zusammenleben nicht geben, alleine schon deshalb, weil wir alle unsere Grenzen haben, und einander damit notwendigerweise auch konfrontieren.

Es kann meines Erachtens aber durchaus ein Mehr und ein Weniger an Selbstbestimmung im Lernprozess geben.
Und es gibt meiner Beobachtung nach Menschen, die an einem zu Wenig an Selbstbestimmung im Lernprozsess „leiden“ und sich mehr Selbstbestimmung in ihrem Lernprozess wünschen.

Wenn es also weder eine völlige Freiheit von äußeren Vorgaben geben kann für den Lernenden, noch eine völlige Freiheit vom Verhalten der anderen für den Lernenden, dann ist ja immer noch die Frage möglich, wie denn die Vorgaben gestaltet werden, wenn sie schon unumgänglich sind, und wie denn das Verhalten gestaltet wird, mit dem der Lerndende von anderen konfrontiert wird, wenn ja auch die völlige Freiheit vom Verhalten anderer nicht möglich ist.

Ist Bildung auch:
der bewusste Umgang mit Vorgaben und Verhaltensweisen, die selbstbestimmtem Lernen dienlich sein können ?

Gibt es äußere Vorgaben, die dem dienlich sind, der gerne selbstbestimmter lernen möchte ?
Gibt es ein Verhalten, das dem dienlich ist, der gerne selbstbestimmter lernen möchte ?

Gibt es ein Verhalten des Lernenden, das seinem selbstbestimmten Lernen dienlich sein kann ?
Gibt es ein Verhalten des dem Lernenden Begegnenden oder ihn Begleitenden, das dem selbstbestimmten Lernen dienlich sein kann ?

Falls es solche dem selbstbestimmten Lernen dienliche Vorgaben gibt und falls es dem selbstbestimmten Lernen dienliches Verhalten gibt: Gehörte es dann vielleicht auch zur Bildung, um diese Form von Vorgaben zu wissen, und um diese Verhaltensformen, die selbstbestimmtem Lernen dienen können ?

Fortsetzung folgt.

Studieninhalte- Martin

martinsbild
Martin Essig, 20 Jahre

Ich habe 12 Jahre eine Waldorfschule besucht und nach meinem Schulabbruch das Freie UniExperiment mitgegründet.
Bei mir erwacht immer ein großes Interesse und Begeisterung, wenn ich eine technische Lösung zu einem naturgegebenen Problem finden soll. Das ist u.a. bei der Landschafts- oder Stadtgestaltung, beim Häuserbau, bei der Produktgestaltung und bei rechtlichen Strukturen in Menschengemeinschaften der Fall. Der Begriff Technik, der zunächst abschreckend wirken mag, umfasst für mich alle zweckmäßigen Eingriffe des Menschen in die Natur. Unter Natur fällt wiederum auch all das, was im Menschen und in der Menschengemeinschaft natürlichen Prozessen folgt.
Besonders spannend finde ich aber die Berührungspunkte von Technik und Ästhetik. Damit befinde ich mich in der Kunst und stecke in einem Spannungsfeld, indem es mir jetzt darum geht, zu Gesichstpunkten zu gelangen, nach denen ich technisch/praktische Gestaltungprinzipien, in ein Verhältniss bringen kann, mit ästhetischen Gestaltungsprinzipien (oder weiteren Forderungen, die Mensch oder Natur an jegliche Strukturen erheben).

Um in diesem Thema vorwärts zu kommen, bin ich angewiesen auf Menschen, die einen Erfahrungsvorsprung haben und mir Ratschläge und Hinweise geben bzw. mir als Lehrer oder Mentor zur Seite stehen können.

martin.c.essig@googlemail.com

Hier kommst du zu meinen Studieninhalten.

Hier findest du aktuelle Beiträge von mir.

Studienfragen von Tomas

 

(links zu Texten und „Räumen“ sind grün)

 I. Lernen

1. Wie schaffe ich Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen ?
  • 1.1. Was verstehe ich unter freiem, selbstbestimmtem Lernen ?
  • 1.2. Warum will ich Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen schaffen ?
  • 1.3. Welche innere Haltung  kann Räuume für freies selbstbestimmtes Lernen öffnen ?

     

  • 1. 8. Wie finde ich an meinem Wohnort Gleichgesinnte ?
.

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ä
2. Wie gestalte ich Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen ?
2.1.Auf welchen Grundlagen  ruht die Gestaltung meiner freien, selbstbestimmten Lernräume ?
.
2.1.1. im Freien UniExperiment:
.
2.1.1.1. Freiheit und Verantwortung im selbstbestimmten Studium

2.1.1.2. Von der StudienFrage zur ForschungsFrage: Mein Umgang mit dem Standard „wissenschaftliches  …………. Arbeiten“
2.1.1.3. Gefühle im Studium (Teil 1 – 5)
2.2. in der Schule:

2.2.1. LUBI & LIKÖR in der Schule
2.3. Wie schaffe ich Platz für Erkenntnisse, die aus einem Raum jenseits des Ich zu kommen scheinen ?

2.3.1. Existenzielle Fragen, Wirklichkeit, Yoga & Erfahrung

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.
.
3. Wie wünschen sich andere Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen ?

3.1. Was sind die Forderungen und Wünsche von Lernenden an Schulen ?

.
_________________________________________________________________________________________________________

1.A. Was ist Bildung ?

1.A. 1. Definition:

1A. 1.1. … sich ein Bild machen ?
1a) 1.2. … sich nach einem Bild bilden ?


1a) 2.
Bildung, Freiheit und Bestimmung

1a) 3. Sucht Bildung immer Antworten auf die Frage, wie wir (als Menschen) sein wollen ?
.

1.B. Was ist (eine) Universität ?

1b )1. Zum Universitätsbegriff

1c) Was ist Studium ?

1c) 1. Zum Begriff „Studium“

*************
1d) Was ist Kultur ?

1e) Was ist Elite ?
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1. C. Wie und wo schaffen andere Räume für freies, selbstbestimmtes Lernen, ansatzweise oder umfassend ?

1.C.1. Kindergarten

1.C.2. Schule

1.C.2.1. Realschule Baden-Baden

1.C.3. In der Gruppe

1.C.3.1. … auf einer mehrtägigen Wanderung

1.C.3.2. … mit der Idee des „wertschätzenden Abschlusses“ als Alternative zu den existierenden Schulabschlüssen

1.C.3. Universität

1.C.3.1. Aktionswoche an der Universität Stuttgart im Januar 2014
1.C.3.2. ´Offener BildungsRaum´ an der Universität München im Juni 2014
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2. Was ist Lernen ?

2a) Neurologisch

2b) Phänomenologisch (?)

2. A. Welche Lern- und Hirnforscher sind für mich derzeit relevant ?

2.1. Was ist selbstbestimmtes Lernen ?

2.1.1. Ich und Du :
Individuelle und gesellschaftliche Dimensionen selbstbestimmten Lernens

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3., 4., 5., 6.: Leben

3. Was ist Leben ?

4. Was ist Sexualität ?

5. Was ist Meditation ?

6. Was ist Polarität ?

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7.+8. Materie gestalten

7. Wie bringe ich den von mir entworfenen Sessel zur Serienreife ?

8. Die Quadratur des Kreises, oder:
Warum bauen wir gerade? Was ist “organische Architektur” ? Was ist der “Goldene Schnitt” ?

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9., 10.,11., 12.: Gemeinschaft

9. Warum ist soziale Arbeit Teil meines selbstbestimmten Studiums ?

10. Wie lauten Studienfragen meiner Mit-Studenten ?

11. Beeinflussen meine Kontakte zu Stiftungen mein Studium ?

12. Wie wirkt Verdrängtes in Gruppenprozessen ?

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Unvollständiger Ansatz zur Gliederungssystematik:
Arab. Zahl -> Studienfragen (1.-11.)
kleiner lat. Buchstabe -> u.a. Definition
großer lat. Buchstabe -> u. a. Vorgehen ; Teilbereiche von Fragen