Briefe aus Küche und Garten

11. April 2016
Erde für das Beet

Liebe Barbara,

es tut mir so leid, dass du mit diesen unglaublichen extremen Wetterbedingungen in Australien zu kämpfen hast! Selbst die Besuche deiner wunderschönen Nachbarn (Känguruhs, Papageien …) werden deine Trauer kaum aufwiegen, wenn binnen einer Stunde der heisse Wind sämtliche Jungpflanzen vernichtet hat.
Ich habe ein paar sehr interessante Bücher zum Thema Permakultur und Bodenkunde gelesen. Möglicherweise haben wir sehr viel größere Chancen, unseren Garten (mit nicht zu großer Arbeit) durchzubringen, wenn wir bereits den Boden für sie so vorbereiten, dass sie die bestmöglichen Wachstumsvoraussetzungen vorfinden.

Ich beschreibe nachfolgend kurz was ich meine – und beruht auf dem, was ich in „Square Foot Gardening“ (von Mel Bartholomew) und „The Market Gardener“ (von Jean-Martin Fortier) gelesen habe.

Wenn ich den Pflanzen ermögliche, dass sie ihre Wurzeln geradeaus runter in den Boden senden können, lassen sie sich enger nebeneinander setzen. Damit das möglich ist, muss man beim Boden einiges beachten:
1. der Boden muss locker genug sein, damit die Wurzeln senkrecht durchkönnen.
2. der Boden muss über ausreichend Nährstoffe verfügen.
3. die Zusammensetzung muss so beschaffen sein, dass Wasser gut gespeichert und verwertet werden kann.

Eine gute Mischung, um dies zu gewährleisten, ist 1/3 Kompost, 1/3 Torf und 1/3 Vermiculit.
Wird ein Beet mit derartig gemischter Erde gefüllt, kann es über Jahre hinweg bepflanzt werden, ohne dass man die Erde auszutauschen braucht – es genügt, jedes Jahr etwas Kompost (und/oder Pferdemist) hinzuzufügen.

Zudem braucht das Beet nicht tiefer als 15-20 cm zu sein (für die meisten Gemüse und Salate ist diese Tiefe ausreichend).

Wenn dann die Pflanzen entsprechend ihre Wurzeln senkrecht nach unten schicken können, ist es natürlich noch hilfreich die gute Nachbarschaft zu wahren 😉
Also, eine Mischkultur (auch mit Kräutern) zu schaffen, in der die Pflanzen sich miteinander wohl fühlen.

Der Vorteil daran ist, dass die Pflanzen beim Wachsen ein dichtes Blätterwerk bilden, dass es unerwünschtem Beikraut schwer macht sich zu etablieren. Man spart somit also eine Menge Arbeit und Zeit, weil Unkraut jäten so gut wie wegfällt!
Ausserdem ist die Chance höher, dass die Beetgemeinschaft der Pflanzen robust genug wird, um sich  gegen Schädlinge selber wehren zu können. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch das Blätterwerk der Boden stets beschattet bleibt und nicht so schnell austrocknet.

Am letzten Wochenende haben wir vier in unserer WG vier solcher Beete eingerichtet. Das Zusammensein und zusammen werkeln hat total viel Spass gemacht! In Kürze kommen die vorgezogenen Jungpflanzen rein, und wir sind schon sehr gespannt darauf, ob es so funktioniert wie erhofft.

Vielleicht wäre diese Methode mit aufgesetzten Beeten auch für dich einen Versuch wert? Mit verstärktem Wind- und Sonnenschutz … ?
Ich könnte mir vorstellen, dass durch den durchlässigen Boden und die Fähigkeit besser Wasser zu speichern (und an die Wurzeln abzugeben) die Pflanzen auch in Australien einen heißen Windansturm besser durchstehen könnten?
Das Ergebnis würde mich sehr interessieren!

Herzliche Grüße
Juliane

12. April 2016
Baguette backen

Liebe Barbara,

danke für deine Mail. Ich habe eine neue derzeitige Lieblingsbeschäftigung 🙂
Und das ist herauszufinden, wie ich das ideale Baguette backen kann!

Brot backen ist eine Kunst für sich. Eigentlich ganz einfach die einzelnen Schritte, aber warum wird es mal hart, mal zu trocken, mal zu fest etc.?
Ich habe früher schon mal eine Zeitlang Brot aus selbstgemachtem Sauerteig gebacken, und eigentlich ganz ordentliche Ergebnisse erzielt. Doch zur Zeit kapriziere ich mich darauf, ein „perfektes Baguette“ zu backen – es soll sich nicht von einem frischen Baguette in Paris unterscheiden! 🙂
Zu diesem Thema habe ich in den letzten Wochen immer wieder Videos geguckt – und immer wieder Baguette gebacken. Mit sehr unterschiedlichem Ergebnis… aber allmählich bekomme ich die Konsistenz des Teigs ins Gefühl. Er muss beim ersten Zusammenrühren absolut klebrig sein und sehr feucht! Die Hefe (noch nehme ich etwas Hefe zusätzlich zur Sauerteigmutter – gerne möchte ich eines Tages ohne sie auskommen, oder auch die Hefe selbst herstellen) wird zunächst in handwarmem Wasser mit einer Prise Zucker aufgelöst, und dann mische ich zügig das (leicht gesalzene) Weizenmehl mit der Hefeflüssigkeit und einem guten Schuss Sauerteigmutter zu einem Ball. Den reibe ich leicht mit Olivenöl ein, damit die Oberfläche nicht austrocknet. Die Schüssel lasse ich abgedeckt solange stehen, bis sich der Teigball mindestens verdoppelt hat (dauert 2-4 Stunden je nach Raumtemperatur und Hefekraft). Dieses erste Mischen dauert ca. 5-10 Minuten.
Sobald der Teig schön aufgegangen ist, mehle ich meine Arbeitsfläche ein und wälze den Teigball mithilfe eines Teigschabers darin, mache ihn flacher und schlage mehrmals die Seiten so ein, dass „Luftlöcher“ entstehen. Dann forme ich 3 längliche Würste, ritze die Oberfläche schräg ein und lege sie aufs Blech, wo sie wieder solange ruhen bis sie sich in der Größe verdoppelt haben. (Dieses Formen dauert wieder so ca. 5-10 Minuten).
Nun kann der Ofen auf 250°C vorgeheizt werden. Eine Schale mit fingerhoch Wasser wird unten in den Ofen gestellt. Sobald der Ofen heiss ist, kommt das Baguette-Blech auf der obersten Schiene rein, die Schale unten wird mit eiskaltem Wasser aufgefüllt, die Baguette mit kaltem Wasser aus einer Sprühflasche bestäubt. Schnell die Ofentür zu. Alle 10 Minuten bestäube ich sie nochmal. Das gibt eine schöne Kruste. Nach ziemlich genau 25-30 Minuten sind die Baguettes fertig. Ich nehme sie aus dem Ofen und lasse es abkühlen.
Dann frische Butter und Käse drauf, lecker!!

Schade, dass du nicht hier bist (oder ich in Australien bei dir), sonst würde ich jetzt nichts schöner finden als mit dir zusammen ein frisches Baguette zu brechen, gute Butter und Käse drauf, und einen schönen Rotwein aus dem Murray River Valley dazu!

Herzliche Grüße
Juliane

13. April 2016
Chili Leidenschaft

Liebe Barbara,

ich begreife nicht, warum ich in diesem Jahr so viel Pech mit meinen Chilis habe: seit drei Jahren baue ich nun schon sehr erfolgreich Chili an und es war wirklich nicht besonders schwierig! Aber in diesem Jahr wollen sie einfach nicht wachsen. Vielleicht lag es auch an unserem Umzug zum 1. Januar, als wir von einer kompletten Südlage im 2. Stock in eine Südostlage im Erdgeschoss umgezogen sind?

Ich liebe Chilis, das beginnt schon bei den leuchtenden Farben, grün und rot, manche sogar gelb. Dann dieser feine aromatische Duft beim Aufschneiden, und die wunderbare Würze als Zutat beim Kochen oder aufs Käsebrot. Natürlich sollte man sich nach dem Chilischneiden möglichst nicht die Augen reiben… was ich unbegreiflicherweise regelmäßig vergesse 😦
Chilis kann man selten im Bioladen kaufen. Schon gar nicht in der Schärfe, die ich mag. Und die aus dem Asienladen sind zwar schön scharf, aber man weiß nie welche Pestizide man da mitißt. Und da Chili fast täglich auf meinem Speisezettel stehen, habe ich vor einigen Jahren damit begonnen sie selber anzubauen. Anfangs hatte ich einfach nur 2-3 Pflanzen, und habe mich über jede kleine Schote, die ich ernten konnte, gefreut. Dann wurde ich ehrgeiziger: wie kann ich die Ernte einer Pflanze verbessern? Und für dieses Jahr möchte ich versuchen, gar meinen ganzen Jahresbedarf anzubauen!
Chilis sind nicht gerade lokale Gewächse, sie möchten von Wärme und Sonne verwöhnt werden und haben eine lange Wachstumsperiode. Deshalb tut man gut daran, sie bereits im Februar auszusäen. Ich nehme immer meine eigenen Samen vom letzten Jahr, weil Pflanzen sich bereits nach 1-2 Generationen an ein lokales Mikroklima anpassen, widerstandsfähiger werden und „lernen, sich wohlzufühlen“. Bislang baue ich sie zumeist im Topf an. Das hat den Vorteil, dass ich sie besser beschützen kann (bei Unwetter, Hagel und sonstigen Chilifeindlichen Bedingungen hole ich sie einfach rein). Chili haben eine relativ lange Keimzeit. Dieses Jahr habe ich gut 3 Wochen gewartet, bis das erste Grün hervorgespitzt ist! Die ersten Blätter haben so eine charakteristische kleine nach innen schwingende Welle am Blattrand. In diesem Stadium sind sie von Paprika kaum zu unterscheiden. Natürlich möchten sie es immer schön feucht haben und möglichst südlagig von der Sonne verwöhnt werden. Zuvor habe ich nach Süden hin gewohnt. Die neue Wohnung liegt wie gesagt gen (Süd-)Osten. Ich hoffe, die Chili arrangieren sich vielleicht doch noch damit. Im vergangenen Jahr habe ich ein Experiment gemacht und den Ratschlag eines Chili-Fans befolgt, der auf youtube zeigt, wie man die Ernte durch Zurückschneiden verbessern kann. Ich habe ein paar Pflanzen nach seiner Methode behandelt, und 1-2 andere einfach so wachsen lassen. Am Ende fand ich zwar nicht unbedingt, dass die Ernte so viel besser war, aber die zurückgeschnittenen Pflanzen waren definitiv buschiger und haben bei mindestens gleicher Ernte weniger Platz nach allen Seiten benötigt. In diesem Jahr möchte ich es wieder mit Zurückschneiden probieren. Das muss man brutalerweise dann tun, wenn sich die ersten Blütenknospen bilden – dabei sehen die so superschön aus: wie winzige schneeweiße Wattebäuschchen, die sich aus ihrer grünen Umhüllung herausschieben. Doch nach dem Zurückschneiden bilden sich zahlreiche neue Verzweigungen, und damit auch viele neue Blütenknospen. Vermutlich werde ich mir demnächst zum Auffrischen und Weiterlernen noch ein paar Videos von Chili-Spezialisten ansehen und gucken was ich noch verbessern kann. Im letzten Jahr konnten wir Chili bis spät in den Oktober ernten! Natürlich kann ich nicht auf eine Ernte rund um das Jahr hoffen. Aber ich möchte im Herbst zumindest so viele extra ernten, dass ich für die Winterzeit noch Chiliöl herstellen kann, und eingelegte Chiliringe etc.
Ein gelegentlich auftretendes Problem beim Anbau der Chilis ist, dass sie leicht Läuse kriegen. Vor allem wenn sie in die Blüte kommen. Wenn das der Fall ist, fülle ich ein Schälchen warmes Wasser mit Seifenlauge, nehme ein Wattestäbchen und wische die Läuse von der Chili in die Seifenlauge (ich hoffe der Tierschutzverein liest hier jetzt nicht mit ;-))
Das funktioniert ganz gut, und nach 3-4 Anwendungen ist die Läuseplage in der Regel vorbei.
Gut wäre es zu wissen, was die Chili so schwächt und für Läuse empfänglich macht? Ich hatte in den letzten Jahren zu wenig Wissen über die Erde und habe immer „irgendwas“ genommen. In diesem Jahr, wo ich quasi alles „von der Erde beginnen lasse“, hatte ich gehofft, dass es den Chili in irgendeiner Weise hilft: ihrem Wachstum, ihrer Fruchtbildung, ihrem Aroma, und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Läuse?

Vielleicht hast du einen Tip für mich?

Herzliche Grüße
Juliane

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