„Unwissenschaftlich !!“ – Fluch oder ein Segen ?

„Unwissenschaftlich !“
– immer eine Abwertung, oder fallweise auch:
ein Segen ?

UniExperiment- auch ein Experiment mit den Grenzen von Wissenschaft !

In einem der UniExperiment – Dialoge (Nr. 66 am 20.8.2015) diskutierten wir die Sicht, Wissenschaft sei ein Versuch des Menschen, Kontrolle zu gewinnen über das Chaos.
Sie sei der Versuch, Gesetzmäßigkeiten zu finden und zu beschreiben.
Sie sei der Versuch, Ordnungssysteme zu errichten, in einer Welt schier grenzenloser Fülle und Vielfalt.
Ja, Wissenschaft sei überhaupt „eine gigantische Anstrengung des Menschen, der Unberechenbarkeit und Unendlichkeit der Wirklichkeit in die er hineingeboren wurde, Frau und Herr zu werden.“

Soweit, so gut.
An unseren Universitäten können wir derzeit beobachten, wohin es führt, wenn Wissenschaft ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, und wenn dann auch noch eine bestimmte Disziplin, die der Ökonomie und der Effizienz, zur nahezu allein seligmachenden erklärt wird:
zu Druck, Unzufriedenheit, und einem Minus an Lebensqualität, was nicht nur zahlreiche Studentinnen und Studenten beklagen.

So könnte also am Hort der Wissenchaft selbst sichtbar werden, dass (auch) die Wissenschaft nur eine begrenzte Sicht auf die Welt, die Wirklichkeit, den Menschen, und damit auch auf sein Wohlergehen erlaubt.

Was aber lauert hinter dieser Grenze ?
Was lauert hinter der Grenze der Wissenschaft ?
Das Chaos ?

Um wenigstens noch die Disziplin der Logik in den Anfangsbereich jenseits der Wissenschaft hinüberzuretten:
hinter der Grenze der Wissenschaft lauert zunächst einmal – die Nicht-Wissenschaft, oder das Unwissenschaftliche.
Was ist das ?

Das kann Chaos sein, nahezu oder vollständig Unbeschreibbares, Unvorhersehbares, nicht Wiederholbares. Unwissenschaftlich kann auch Künstlerisches sein – und deshalb nicht weniger wertvoll !

Doch möchte ich darauf hier nicht weiter eingehen.
Über Wert und Gaben der Unwissenschaftlichkeit oder Nicht-Wissenschaft nachzudenken ist sicher (mindestens) einen eigenen Artikel wert.

Meine heutigen Zeilen waren als Einleitung gedacht für ein Zitat von Akron und darin einer Betrachtung der Grenzen von Wissenschaft von anderer Seite.
Im Zitat wird deutlich, dass Wissenschaft die Erkenntnisfähigkeit zwar fördern, aber eben auch behindern kann.

Damit nähern wir uns den Grenzen der Wissenschaft, und dem Bereich jenseits der Wissenschaft aus einer anderen Perspektive. Sie beschreibt nicht, was alles unwissenschaftlich ist, und welche Geschenke Unwissenschaftlichkeit bereithalten könnte, sondern der Text deutet an, wie ohne Verteufelung der Wissenschaft der ihr innewohnenden Gefahr der Erkenntnisbehinderung begegnet werden kann:

„Dies ist die eine Ebene: Ohne Modelle keine intellektuelle Ausrichtung, keine kollektive Fläche, auf der sich das Denken reflektieren und sich möglicherweise über sich selbst bewusst werden kann.
Es gibt aber auch noch die andere: Jedes Modell verfügt über seinen inneren Dämon, einen mächtigen Egregor, der uns in der Gewalt des betreffenden Wissens festzuhalten droht. Wir kennen das aus Wissenschaft, Politik, Religion oder Esoterik. Kaum hat ein Held sein Modell erfasst, (…) versucht er es sofort bei anderen anzuwenden (…) . Modelle erzeugen eine gemeinsame kollektive Energie, die man nicht nur ausmessen, dei man auch steuern und nach außen durch Diplome zementieren kann. Dahinter versteckt sich der egoistische Wunsch, das Leben in den Griff kriegen zu wollen, es zu strukturieren und die Struktur zu einem verbindlichen Modell für alle zu machen (…).“

Schon hier wird ein Unterschied zum UniExperiment deutlich: UniExperiment beansprucht nicht für sich, eine bestimmte Sicht von Wirklichkeit für andere verbindlich zu machen.

Das bezieht sich auch auf das Verständnis von UniExperiment selbst, was UniExperiment denn sei oder ist:
Was UniExperiment ist, definiert jede/r UniExperiment-Studierende für sich selbst. Sogar diese Behauptung muss nicht für alle UniExperiment-Studierenden gelten. Wer sich gerne für sich von anderen definieren lassen will, was denn UniExperiment ist, kann auch das tun. Auch diese Behauptung wiederum muss aber nicht für jede/n gelten !

Mit dieser Definitons-Freiheit würde der Vorwurf des Egoismus in seiner im Akron-Zitat formulierten Facette („die Struktur zu einem verbindlichen Modell für alle zu machen“) auf UniExperiment-Studierende in diesem Zusammenhang nicht zutreffen. Doch weiter im Zitat:

„Da das Denken die Wirklichkeit aber nur in den Dimensionen seiner Lehre begreifen kann, ist das ´Anstreben von Klarheit´ objektiv ein Rohrkrepierer, denn es führt nicht zur Weite, sondern zu innerer Enge, da es sich letztlich darum handelt, dem Leben seine ´eigene Beschreibung´ entgegenzuhalten und daran auch noch zu glauben.

Jede Klarheit ist im Grunde lebensfeindlich, weil sie ja immer nur irgendwelche Dualitäten aus der Struktur des Ewigen herauszieht und sie isoliert vom Ganzen betrachtet. (…)
Wir müssen das ganze Gebilde so tief in uns versinken lassen, bis es außerhalb des Einflusses unseres kontrollierenden Verstandes mit allen anderen Erkenntnissen erneut verschmelzen kann, was wir dann als inneres Gespür oder Zuwachs von Reife im Herzen fühlen, wenn wir uns mit den Lebensproblemen auseinerndersetzen.“
(Zit. aus: Akrons Crowley Tarot Führer, Band II, ´Das Buch Thoth – ein ägyptischer Tarot´ von Akron, S. 268; Urania-Verlag 2007)

So schwierig „Reife im Herzen“ zu definieren sein mag:
sie benennt einen Bereich jenseits von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit (Akron:“außerhalb des Einflusses unseres kontrollierenden Verstandes“), der im UniExperiment erlebbar werden kann, gerade weil das UniExperiment jeder/m seine/ihre eigene Wirklichkeit und Sichtweise zubilligt, ohne vereinheitlichen zu wollen.

Damit wird im UniExperiment der Vorstoß in Bereiche jenseits von Wissenschaftlichkeit und Wissenschaft möglich, der Qualitäten wie Gefühl, Gespür, Herzensbildung integriert, ohne dass damit in Beliebigkeit abgeglitten wird.
Denn einige UniExperiment-Studierende bekennen sich zu den Menschenrechten als Basis, und zum fortwährenden Dialog in möglichst präziser Sprache als unverzichtbare Bestandteile ihres Studiums, ihres Bemühens und Strebens danach, ihre ureigene Bestimmung, Aufgabe und Glücksquelle im Leben zu ihrem Beruf und ihrer Berufung zu machen.

Damit schafft UniExperiment durch die Integration von Bereichen jenseits der Wissenschaft die Möglichkeit für mehr Lebensqualiatät und für völlig neue Sichtweisen von Phänomenen und so für neue, größere Komplexität, Vielfalt und damit Lebendigkeit integrierende Lösungsansätze.

UniExperiment heißt auch: mehr Lebendigkeit, mehr Abwechslung, größere Fülle an Möglichkeiten und damit mehr Kombinations- und Vernetzungspotential.

So ist UniExperiment lebendig, vielfältig, und immer wieder herzerfrischend: Qualitäten, die wir nicht nur im Bildungsbereich, sondern in unserer Gesellschaft insgesamt heute dringend brauchen !

Herzlich willkommen im Freien UniExperiment ! 🙂

(Text: Tomas Langhorst 2015, ergänzt 10/2016)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s