Gefühle im Studium – eine Eintrittkarte: Wohin? (Teil4) (2.5.2014)

Ich habe das Gefühl, jetzt einen besonderen Raum zu betreten.

Denn dass Gefühle Beziehungen, Gemeinschaften, Gruppen, Projekte und Kollegien „stören“ und zerstören können, ist bekannt.
Was aber braucht es, damit Gefühle in selbstbestimmten Beziehungen, Gemeinschaften, Gruppen, Projekten und Kollegien vielleicht zeitweise als „störend“ empfunden werden können, diese aber nicht zerstören ?
Ich schreibe hier von selbstbestimmten Gruppen und Beziehungen, die nicht oder weniger durch äußere Verpflichtungen zusammengehalten werden, sondern mehr durch innere. Was heißt das denn genau ?

Ja, wie sehe ich denn die Unterscheidung zwischen „äußerer“ und „innerer“ Verpflichtung ?
Als eine Gruppe oder Beziehung, die durch äußere Verpflichtung zusammengehalten wird, sehe ich eine, die um eines bestimmten Zweckes willen besteht: Kinder großziehen, möglichst viel Gewinn machen, ein Projekt verwirklichen, eine bestimmte Art von „Gewinn“ aus dem Zusammensein ziehen. Natürlich ziehen wir wohl immer irgendeine Art von Gewinn aus dem Zusammensein mit anderen, sonst suchten wir es nicht. Das scheint klar. Doch worin besteht der „Gewinn“ ? Besteht er in der Funktion, die ein anderer für mich hat, oder besteht der Gewinn, den ich aus dem Zusammensein mit ihm beziehe einfach darin, dass er so ist, wie er ist ?

Hier möchte ich eine „steile“ These wagen:
Wenn es auf Dauer ausschließlich um die Funktion geht, die ein anderer Mensch für mich hat, im Kontakt mit ihm, dann wird dieser Kontakt das auf Dauer wiederspiegeln. Ich halte es für möglich, dass ein entweder ausschließlich oder überwiegend funktional begründeter Kontakt destruktive Gefühle schlecht oder gar nicht überstehen wird.

Wenn eine Gruppe, die nicht durch äußeren Druck zusammengehalten wird, zusammenbleiben soll oder will, auch wenn „schwierige Gefühle“ auftauchen, braucht es bestimmte Umgangsformen mit diesen „schwierigen“ Gefühlen. Wenn eine solche Gruppe nicht nur zusammenbleiben, sondern auch noch lebendig bleiben soll, und ein Ort, an dem sich alle Mitglieder wohlfühlen, dann braucht es meiner Erfahrung nach noch bestimmtere Umgangsformen mit „schwierigen Gefühlen“.

Denn es gibt Gruppen oder Beziehungen, die zwar weiterbestehen, auch mit „schwierigen“ Gefühlen, aber irgendwie erstarrt wirken, unlebendig, formal, ja freudlos und irgendwie gezwungen. Ich fühle mich dann darin oft irgendwie „unfrei“, befangen, unwohl. Echte Kreativität ist in solchen Gruppen oder Beziehungen nicht mehr möglich und das ist natürlich besonders dann fatal, wenn sich die Gruppe oder Beziehung gebildet hat, um gemeinsam kreativ zu sein, und gemeinsam etwas zu „schaffen“ oder zu erschaffen.

Wie also kann die Gruppe oder Beziehung lebendig bleiben ?
Wie gelingt es, Lebendigkeit in festen Strukturen zu erhalten, Offenheit, und Kreativität ?

 

Text: Tomas Langhorst, Freies UniExperiment

links zu: Teil5, Teil 3, Teil 2, Teil1

 

4 Kommentare zu “Gefühle im Studium – eine Eintrittkarte: Wohin? (Teil4) (2.5.2014)

  1. Pingback: Gefühle im Studium – eine Eintrittkarte: Wohin? (Teil5) (2.5.2014) | freies Uniexperiment

  2. Pingback: Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil3) (23.4.2014) | freies Uniexperiment

  3. Pingback: Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil2) (23.4.2014) | freies Uniexperiment

  4. Pingback: Gefühle im Studium – eine Eintrittskarte: Wohin? (Teil1) (23.4.2014) | freies Uniexperiment

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